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Zweckehe CDU und CSU : Die nervöse Münchner Republik

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel und Horst Seehofer: Wirklich lieb haben sich die beiden noch immer nicht. Bild: AP

Merkel und Seehofer haben sich kaum mehr etwas zu sagen – außer, dass sie wieder eine Wahl gewinnen wollen. Ein wichtiger Dissens bleibt aber ungelöst.

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          Zwei Tage lang hat die CSU einen Hauch einer „Münchner Republik“ verspüren dürfen. Ein veritabler Dreisprung wurde inszeniert, um zu zeigen, wo das Herz der Politik schlägt: zunächst am Sonntagabend ein im besten Marketingdeutsch „Zukunftstreffen“ benanntes Gespräch der Führung der Unionsparteien in der CSU-Zentrale im Münchner Norden; am Montagvormittag dann eine gemeinsame Sitzung der Parteipräsidien von CDU und CSU in der CSU-Zentrale, um in den Bundestagswahlkampf zu starten; am Montagnachmittag als Schlusspunkt eine Sitzung der Berliner Koalitionsspitzen in der Bayerischen Staatskanzlei, um über die innere Sicherheit und die Rückführung abgelehnter Asylbewerber zu beraten.

          So viel München, so viel Bayern, so viel CSU war selten in der deutschen Politik – entsprechend sprachgewaltig zeigte sich der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Seine goldenen Worte zum Auftakt des Konferenzreigens, als er gefragt wurde, ob es bei seinem Wahlziel für die Bundestagswahl – vierzig Prozent der Stimmen für die Union – bleibe, werden ihm einen Platz im Zitatenschatz des „Büchmann“ sichern. „Wir sind doch keine Hasen, die im Feld hin und herhüpfen, je nachdem, wo gerade Regentropfen fallen“, ließ Seehofer wissen. Nicht nur Anhänger psychoanalytischer Glaubensrichtungen konnten sich damit gleich zum Auftakt in der „Münchner Republik“ heimisch fühlen. Zu Seehofers große Gaben gehört es, in seine Botschaften mehrere Böden einzuziehen, so dass die unterschiedlichen Fraktionen in seiner Partei – die Seehoferianer, die Merkelianer und gemischte Spielarten – ein trockenes Plätzchen finden.

          Diejenigen in der CSU, die nach wie vor mit Angela Merkel hadern, konnte sich trotz der Bekundungen der Einigkeit, die in den beiden Tagen der „Münchner Republik“ Pflicht kleiner und großer Unionsfunktionäre waren, darauf vertrauen, dass Seehofer sie nicht im Regen stehen ließ. Hans-Peter Friedrich, früher Innenminister und jetzt Sprachrohr der Anti-Merkelianer in der CSU, hatte zuvor wissen lassen, er verspüre keine Hochstimmung, mit Merkel als Kanzlerkandidatin in den Wahlkampf zu ziehen. Aber man müsse vernünftig sein, sagte Friedrich – also, um in Seehofers Metaphorik zu bleiben, auch auf dem Feld ausharren, wenn Merkel wieder einmal einen Regenguss auf die armen CSU-Hasen prasseln lässt.

          Ein gemeinsames Grillen aus guter Erinnerung

          Merkel bemühte sich redlich, die „Münchner Republik“ zu einer Trockensavanne werden zu lassen. Sätze wie „Ich bin ganz sicher, in diesen Zeiten kommt es auf die beiden Volksparteien CDU und CSU an, die sehr viel mehr Gemeinsamens haben, als das, was unterschiedlich beantwortet wird“ verhießen ein Allzeithoch. Vorausschauend hatten die CSU-Organisatoren für die späten Sonntagsstunden gemeinsames Grillen auf das Programm gesetzt – in Erinnerung an ein Treffen der Unionsspitzen in Potsdam im vergangenen Jahr, bei dem auch gegrillt wurde. Damals war allerdings Sommer – aber die CSU hat sich schon immer als Allwetterpartei verstanden; am Sonntag wurde eben nicht aushäusig, sondern inhäusig gegrillt, mit niederbayerischem Gin als zusätzlichem Wärmemittel.

          Spitzentreffen bedürfen einer öffentlichen Dramaturgie – dazu gehören Beteuerungen, wie lange, wie intensiv, wie leidenschaftlich debattiert worden sei. Auch in der „Münchner Republik“ fehlte es nicht an Hinweisen, dass am Sonntag bis kurz nach 21.30 Uhr über „die großen Aufgaben der Zukunft“ beraten worden sei; dass Merkel und Seehofer bis nach Mitternacht über dem Grillgut ausgeharrt hätten; dass es „freundlich“ zugegangen wäre. CDU-Generalsekretär Peter Tauber zeigte sich zumindest dialektisch der CSU gewachsen: Bei der Einwanderungspolitik sei man sich „sehr schnell einig“ gewesen – auch darin, sich bei der Obergrenze für die Flüchtlingsaufnahme nicht einig zu sein; aber das sei „ja nur ein kleiner Baustein“.

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