https://www.faz.net/-hpp-8wrzd

Geschlechterfrage : Die Wut der AfD auf den neuen Mann

Die digitale F.A.Z. PLUS
F.A.Z. Edition

Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

Mehr erfahren

Wenn Frohnmaier von echten Männern spricht, denkt er nicht an Schlägertypen. Das seien gar keine Männer. Sie zeigten allenfalls eine „anatolische Männlichkeit“, glaubt Frohnmaier, der damit der Linie seiner Partei treu bleibt, auch in Bezug auf den türkischen Präsidenten. „Erdogan ist kein richtiger Mann, weil er keine Manieren hat, weil er respektlos ist. Ich kann nicht einfach in die Türkei gehen und als Deutscher dort anfangen, Bundestagswahlkampf zu machen. Wenn Erdogan Umgang hätte und ein echter Mann wäre, hätte er vorher gefragt.“

Soll heißen: Dass Erdogan kein Ronaldo ist, konnte man erahnen. Er ist aber auch kein Baumgartner. Die Frage wäre nur, um in der Sprache des Stereotyps zu bleiben, ob Baumgartner, ausgerechnet Baumgartner, nicht auch ein wenig Muslim ist, weil Muslime in Frohnmaiers Weltbild weniger vertuntet sind als Deutsche. „Offensichtlich liegt der Schwerpunkt des deutschen Mannes darauf, dass er Kosmetik und Wellness macht und sich die ,GQ' reinzieht. Der muslimische junge Mann scheint den Schwerpunkt eher auf die Familienplanung zu legen. Das sieht man schon an den Geburtenraten.“ Und deren Steigerung erhofft sich Frohnmaier natürlich eigentlich von den Deutschen.

„Männlichkeit bedeutet auch, für seine Frau einzustehen und, wenn nötig, das vor der Tür zu klären.“

Frohnmaiers Idealbild eines Mannes: der Gentleman, der Ehrenmann. „Echte Männlichkeit bedeutet nicht: Ich hau' dich um. Männlichkeit hat damit zu tun, ob jemand etwas weiß. Männlichkeit bedeutet auch, für seine Frau einzustehen und, wenn nötig, das vor der Tür zu klären.“ Wie der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland zum Beispiel. „Er kann sehr weltmännisch auftreten.“ Der Weltmann im Unterschied zum Ronaldo-Mann also. „Wir haben gute Männer in der AfD!“

Gauland ist ein Stichwort. Er muss gar keine Auskunft über sein Männerbild geben, er personifiziert es. Die Ästhetik seiner Tweed-Sakkos mit Karomuster entstammt den achtziger Jahren, als die politische Großwetterlage einem Nationalkonservativen wie ihm noch viel freundlicher erschienen sein muss. Auch die forstgrüne Krawatte mit Hundemotiven, die er so oft trug, dass daraus ein Merkmal wurde, scheint aus diesem Jahrzehnt zu stammen. Ach, die guten alten Zeiten! Auf AfD-Parteitagen sieht man sogar noch Einstecktücher.

Zu den Vertretern ursprünglicher Männlichkeit gehört in deutschnationalen AfD-Kreisen der neurechte Verleger Götz Kubitschek. Er ist nicht AfD-Mitglied, aber gerade unter ostdeutschen AfD-Funktionären einflussreich. In seinem Rittergut in Schnellroda pflegt Kubitschek einen altmodischen Lebensstil. Er trinkt die Milch seiner eigenen Ziegen, pflanzt Gemüse, siezt seine Frau und genießt den robusten Umgang der Dorfbewohner untereinander. Von Schnellroda aus vertreibt Kubitschek die Zeitschrift „Sezession“. Nach den Angriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht war auf der Internetseite der Zeitschrift vor allem von Muslimen mit mittelalterlichen Moralvorstellungen die Rede. Aber auch der deutsche Mann bekam sein Fett weg.

Auch live gerne „unter Männern“: Die weit rechten der AfD, Alexander Gauland (Landesvorsitzender Brandenburg), Björn Höcke (Fraktionsvorsitzender Thüringen) und Andre Poggenburg (Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt)

Er sei der "große Waschlappen", schrieb Gastautor Thor Kunkel. Die männlichen Partner der belästigten Frauen hätten entweder „zu schlichten“ versucht oder einfach die „Hasenfuß-Nummer“ gegeben, statt in der Konfrontation mit mittelalterlichen Konfliktformen selbst solche anzuwenden. Nichts belegt natürlich, dass deutsche Männer der Vergewaltigung ihrer Frau tatenlos zuschauen. Es passt als Theorie aber gut zu der neurechten Forderung, „Kulturfremden“ mit aktivem Widerstand zu begegnen. „Von einem Deutschen haben die Missetäter dagegen nichts zu befürchten – selbst wenn sie weiter gegangen wären“, schrieb Kunkel. „Der verhausschweinte Deutsche, dieser Jammerlappen und Moral-Krüppel, schlägt in den seltensten Fällen zurück.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Ibiza-Affäre der FPÖ : Sagen, was Strache ist

Es ist nicht die erste Frage, die sich zu dem Ibiza-Video mit dem FPÖ-Politiker Strache stellt, aber vielleicht die zweite oder dritte: Wie kamen die Aufnahmen zustande? Eine Indizienaufnahme.

Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte der dreimalige Weltmeister Erfolge.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.