https://www.faz.net/-gpf-917ma

FAZ.NET-Countdown : Osten oder Anatolien – Hauptsache, Wahlkampf!

Wahlkampf am Laternenmast: Merkel und Schulz Bild: Reuters

Wessen Fragen Angela Merkel heute beantwortet, wohin Martin Schulz reist, welche Masche der AfD-Spitzenkandidat immer noch pflegt – und was Donald Trump unpassenderweise „Wow!“ findet. Der FAZ.NET-Countdown.

          Fragen über Fragen beantwortet heute Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin stellt sich in Berlin traditionell nach dem Ende ihres Sommerurlaubs auf der Bundespressekonferenz den Journalisten der Hauptstadtpresse. Nachdem bei ihren letzten beiden Auftritten in den vergangenen zwei Jahren hauptsächlich über die Fragen und Folgen der Flüchtlingskrise diskutiert und referiert wurde, dürfte das Themenspektrum in diesem Jahr etwas größer sein. Dieselaffäre, Terror und mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl sind dabei nur einige der relevanten Gesprächsgebiete. Interessant wird auch zu beobachten sein, wie häufig Merkel bei ihrem Auftritt aus der Rolle der Kanzlerin in die Rolle der CDU-Kanzlerkandidatin schlüpft. Spätestens nachdem Kritik daran laut wurde, dass Merkel die Regierungsmaschine nutzt, um zu Wahlkampfterminen zu fliegen, wird wohl nun auch jede Äußerung bei offiziellen Terminen genau unter die Lupe genommen.

          Spätestens mit dem Ende der BPK darf Merkel dann aber CDU-Chefin durch und durch sein: Genau wie ihr Gegner von der SPD hat die Kanzlerin am Dienstag noch zwei Wahlkampftermine in Ostdeutschland. Während Merkel in Bitterfeld und Brandenburg unterwegs ist, versucht Martin Schulz sein Glück bei der Suche nach den notwendigen Wählerstimmen in Erfurt und Leipzig. Dabei muss er damit klar kommen, dass in seiner Partei schon seit längerer Zeit diskutiert wird, wie sich die SPD im Falle einer krachenden Niederlage am 24. September neu aufstellen könnte. Wer seine Termine am besten meistert? FAZ.NET wird Ihnen darüber auch im neuen Gewand natürlich ausführlich Bericht erstatten.

          Was sonst noch wichtig wird

          Im Wahlkampf werden die Worte der Spitzenkandidaten noch mehr auf die Goldwaage gelegt als sonst. Und keine Partei schmeißt sich so häufig mit seinem gesamten Gewicht darauf wie die „Alternative für Deutschland“. Am Wochenende hat der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland auf einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen gesagt, er wolle die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz „in Anatolien entsorgen“. Am Montag gestand er dann ein, sich wohl etwas im Ton vergriffen zu haben. Verbal mausgerutscht sozusagen. Klar ist: Gauland arbeitet weniger als einen Monat vor der Bundestagswahl also weiter nach dem beliebten Schema-AfD, das wie folgt funktioniert: Erst verbal und ohne Rücksicht auf jedweden Anstand Vollgas geben, dann für ein paar Stunden oder Tage die Empörung und Aufmerksamkeit genießen und anschließend entschuldigend die Hände heben und „war nicht so gemeint“ rufen. Die Fragen, die sich also auch für diesen Wahlkampfdienstag stellen, lauten also: Hat die AfD auch noch etwas anderes zu bieten? Und: Wie oft fallen die anderen Parteien noch auf die Masche rein?

          Einer, der sich mit verbalen Entgleisungen auch ziemlich gut auskennt, ist der amerikanische Präsident. An diesem Dienstag reist Donald Trump in das vom Hurrikan „Harvey“ verwüstete und von sintflutartigen Regenfällen überschwemmte Texas, wo er sich selbst ein Bild von der Situation machen will. Seinen Tweets zufolge ist Trump bislang begeistert von der Zusammenarbeit der Behörden, Einsatzkräfte und Sicherheitszentren – und ganz offensichtlich auch etwas stolz, dass seine Regierung es mit einer solchen Naturkatastrophe aufnehme. Dass „Harvey“ in Amerika eine Flut verursacht habe, wie es sie dort nur alle 500 Jahre gebe, kommentierte er mit einem einfachen „Wow!“. Mal sehen, was er heute zu sagen und zu twittern hat.

          Aus der anderen Ecke

          Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch zwei Texte ans Herz legen, die das Themenfeld der Politik nur ganz seicht streichen: Zum einen sollten Sie etwas über die dreißig Studierenden der TU München erfahren, die in nur fünf Monaten eine Transportkapsel für das von Tesla-Erfinder Elon Musk entwickelte Tunnelsystem Hyperloop konstruierten – und bei ihrem ersten Versuch gleich einen Weltrekord von 324 Kilometern in der Stunde aufstellten. Was das für die Weiterentwicklung dieses möglichen Transportsystems der Zukunft bedeutet, können Sie hier nachlesen.

          Und zum anderen hat sich mein Kollege Sebastian Eder erst kürzlich mit dem Maskulisten Arne Hoffmann getroffen. Der Mann aus dem Taunus kämpft seit zwanzig Jahren gegen die Unterdrückung von Männern in Deutschland und sagt: „Unsere Zivilisation beruht darauf, dass Männer zerschunden werden und ihren Schmerz verdrängen müssen“. Für Sätze wie diese wird Hoffmann nicht selten schräg angeschaut, doch seine Meinung steht fest: Die Welt ist weiblich. Mit welchen Argumenten der 48-Jährige sein Weltbild stützt und was Sex-Ratgeber damit zu tun haben, können Sie hier in dem Porträt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nachlesen.

          Weitere Themen

          Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht Video-Seite öffnen

          Fluchtrekord : Mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht

          Die Zahl der Flüchtlinge ist einem UN-Bericht zufolge im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Demnach gab es 2018 weltweit insgesamt 70,8 Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Asylbewerber. Die Zahl der neuen Asylanträge in Deutschland ging deutlich zurück.

          Ein Kommen und Gehen Video-Seite öffnen

          Rücktritte unter Trump : Ein Kommen und Gehen

          Donald Trump hat einen Personalverschleiß, wie kaum einer seiner Vorgänger. Der Rücktritt von Patrick Shanahan, amtierender Verteidigungsminister, ist nur der bislang letzte in einer langen Reihe. Eine Auswahl.

          Topmeldungen

          Das Internetcafé in Kassel ein paar Tage nachdem der Besitzer Halit Yozgar ermordet wurde.

          Mord an Walter Lübcke : Wieder Kassel

          Die Menschen in Kassel kennen rechtsextremistischen Terror durch den NSU. 2006 wurde dort Halit Yozgat ermordet. Der Fall Lübcke weckt Erinnerungen. Wie geht die türkische Gemeinschaft damit um? Ein Besuch vor Ort.

          MH17-Abschuss : Vier Mordanklagen in den Niederlanden

          Die internationalen Ermittler wollen im Fall des Abschusses des Flugzeugs MH17 vier Verdächtige identifiziert haben. Russland und die ostukrainischen Separatisten weisen abermals jegliche Verantwortung zurück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.