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Olaf Scholz im ZDF : Leichtes Spiel für Sachlichkeit

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Ein Unternehmer wollte wissen, warum er alle Voraussetzungen für eine nationale Maskenproduktion erfüllt hatte, Maschinen und Personal, dann aber aus Kostengründen nie zum Zuge kam. Scholz macht das, was auch Laschet schon getan hatte und Baerbock ebenso in ähnlichen Arena-Formaten: Er bot an, die Sache zu prüfen, sich selbst zu kümmern. Politiker teilen offenbar die Auffassung, dass von ihnen diese Form des persönlichen Durchgreifens erwartet wird. Andererseits ist diese serielle Politiker-Ankündigung ein bewährtes Mittel, unangenehme Diskussionen zu beenden.

„Warum ist Politik so langweilig?“

Sorgen bereitet Vielen noch immer die Corona-Lage, Scholz wurde mit Fragen einer Kinderärztin und einer Krankenschwester konfrontiert, die mit Sorge auf den Herbst blicken. Viele würden sterben, auch weil sie sich nicht impfen ließen. „Ich sage ehrlicherweise, dass es mir das Herz bricht“, sagte Scholz, ganz unabhängig von den Motiven der Einzelnen. Eine allgemeine Impfpflicht lehnt er ab. Er verteidigte aber die vor kurzem beschlossene Regelung, dass Arbeitnehmer aus bestimmten Berufsgruppen ihren Arbeitgebern Auskunft über ihren Impfstatus geben müssen.*

Anders als Laschet vor einer Woche wurde Scholz fast überhaupt nicht mit hartnäckig Andersdenkenden konfrontiert, streckenweise glichen die Fragen gut platzierten Vorlagen, die der Routinier Scholz leicht in Tore verwandelte.

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So nutzte er etwa die Frage eines jungen Mannes: „Warum ist Politik so langweilig?“ dazu, an die sicher spannende Zeit seines Parteieintritts 1975 und an seinen Lieblingskanzler Helmut Schmidt zu erinnern. Der habe überhaupt nicht langweilig Politik erklären können. Darauf komme es an. Michael Tänzer, Vorsitzender eines Kleingartenvereins in Sachsen-Anhalt, beschwert sich bei Scholz über Gendersprache. „Die Frauen gehören zu uns, wie Wasser und Brot“, sagt Herr Tänzer, aber Gendersternchen kämen nicht in Frage.

Scholz äußert sich zunächst bewundernd über Tänzers Kleingarten, der in einem Einspielfilm zu sehen war. Dann versucht er dem Mann behutsam die immer noch bestehende Vielfalt der Sprache zu erläutern, das „Zigeunerschnitzel“ dürfe er weiter so nennen, wohingegen Andere Diskriminierung vermeiden wollten, indem sie das Wort nicht mehr verwendeten. Eines sei klar: „Niemand will Sie umerziehen.“

Empathie ist das große Thema eines solchen Abends und mitfühlend war Scholz mit allem und allen, fast egal worum es ging. Gegen Ende der Sendung kam dann die Außenpolitik einmal kurz ins Bürger-Forum: Ein Einsatzveteran der Bundeswehr erwähnte die Auslandseinsätze, sprach dann aber vor allem über notwendige soziale Verbesserungen. Scholz nutzte die Gelegenheit zu sagen, es werde auch in Zukunft Auslandseinsätze geben, versprach aber auch Respekt für die, die sich engagiert und ihr Leben riskiert haben.

Eine Frage nach einer eventuellen Koalition mit der Linken beantwortete der SPD-Politiker mit der Aufzählung der bekannten Bedingungen – NATO, transatlantische Beziehungen, solider Haushalt. „Aber Herr Scholz“, wandte Frey ein, „jetzt sind Sie einen Millimeter entfernt von einer klaren Aussage, warum sagen Sie es nicht?“ Scholz antwortet: „Die Bürgerinnen und Bürger wissen ganz genau, wer ich bin und was ich machen und was ich nicht machen werde.“

*Eine Formulierung in einer früheren Version dieses Textes hat den Eindruck erweckt, Olaf Scholz plädiere für eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. Das ist falsch. Wir haben die Stelle geändert.

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