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Bücher der Kanzlerkandidaten : Neue Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock, Laschet und Scholz

Was davon hat sie selbst geschrieben? Annalena Baerbock signiert ihr Buch Bild: dpa

Der „Plagiatsjäger“ Stefan Weber beanstandet weitere Stellen im Buch von Annalena Baerbock. Neue problematische Stellen will er auch in Büchern der anderen beiden Kanzlerkandidaten gefunden haben.

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          Alle drei Politiker, die sich derzeit um das Kanzleramt bewerben, sind abermals mit Vorwürfen konfrontiert worden, beim Abfassen von Büchern unsauber gearbeitet zu haben, zum Teil noch in größerem Umfang, als das bisher bekannt geworden ist. Das geht aus Stellungnahmen des „Plagiatsjägers“ Stefan Weber hervor. Im Falle der Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock hat Weber die Untersuchung ihres in diesem Jahr erschienenen Buchs „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ nach dem Fund von hundert „Plagiatsfragmenten“ beendet. Damit sei nicht der Anspruch verbunden, alle kritikwürdigen Stellen gefunden zu haben. Nach Darstellung Webers sind bei Baerbock zu den bisher schon bekannten Plagiaten übernommene Stellen aus dem Buch „Neustaat“ hinzugekommen, das Mitglieder der Unionsfraktion des Bundestages im vorigen Jahr veröffentlicht haben.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die grüne Parteizentrale ging auf die neuen Vorwürfe nicht im Einzelnen ein. „Annalena Baerbock hat bereits handwerkliche Fehler eingeräumt“, hieß es. „Das Buch wird wie angekündigt gründlich und in aller Sorgfalt überarbeitet, die entsprechenden Quellenangaben werden ergänzt.“ Dies werde noch geraume Zeit dauern, teilte die grüne Pressestelle weiter mit. Die Anschuldigungen gegen Baerbock wegen des Buches, die erstmals Ende Juni aufkamen, hatten die Wahlkampagne der Grünen, die wegen anderer Verfehlungen sowieso schon stockte, erheblich beeinträchtigt.

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          Im 2009 erschienenen Buch des heutigen Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet „Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance“ hat Weber inzwischen 17 Passagen gefunden, in denen Stellen aus anderen Texten nicht korrekt übernommen wurden. So wie Baerbocks Buch stand auch das von Laschet schon im Sommer in der Kritik. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten erinnerte am Dienstag daran, Laschet habe nach Bekanntwerden von Hinweisen, dass es in seinem Buch offenkundig Fehler gebe, bereits Ende Juli einen „Prüfprozess“ veranlasst. „Er hat mehrfach betont, dass ein gewissenhaftes Arbeiten beim Verfassen von Werken und die Achtung des Urheberrechts für ihn auch eine Frage des Respekts vor anderen Autoren sind“, heißt es in der Stellungnahme. Der Prüfprozess umfasse mehrere Verfahrensschritte, „die naturgemäß Zeit brauchen“.

          Geringere Vorwürfe richtet Plagiatssucher Weber an den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz. Sie schienen im Umfang jedoch so nebensächlich und in ihrer Ausprägung so unspezifisch, dass sich weder Scholz noch sein politisches Umfeld abermals dazu äußerten. Die Pressesprecherin des Kanzlerkandidaten ließ eine Anfrage unbeantwortet. Nach Medienberichten hat Weber in Scholz’ Buch „Hoffnungsland. Eine neue deutsche Wirklichkeit“ aus dem Jahr 2017 vorläufig „drei verifizierte Plagiatsfragmente“ gefunden. Scholz selbst hatte nach Auskunft des Senders Radio Hamburg bereits Anfang August gesagt: „Ich habe das Buch gerne geschrieben und mir viel Mühe dabei gegeben.“ Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass alles von ihm selbst geschrieben sei, habe Scholz geantwortet: „Ja, das sind meine Texte, meine Worte.“

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