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Merkel vor vierter Amtszeit : Die ewige Kanzlerin

  • -Aktualisiert am

Merkel-Anhänger bei einem Wahlkampfauftritt der Kanzlerin in Fritzlar Bild: Reuters

An diesem Sonntag wird Angela Merkel aller Voraussicht nach für ihre vierte Legislaturperiode gewählt. Und spätestens am Montag beginnt die Nachfolgedebatte und die CDU hat ein Problem.

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          Eine Frage, die bei nicht wenigen mit einem „Das kann ich mir nicht vorstellen“ beantwortet wird, geistert in diesen Tagen zum Ende der dritten Amtszeit Angela Merkels als Bundeskanzlerin durch die Reihen der Unionsparteien. Jene nämlich, ob es Merkel auch in vier Jahren noch einmal wissen wolle. Ob sie auch dann wieder als Kanzlerkandidatin von CDU und CSU anzutreten gewillt sei. Natürlich: Die Gewissheit steckt dahinter, dass Merkel auch nach der Bundestagswahl an diesem Sonntag Bundeskanzlerin bleiben werde – in welchem Koalitionsbündnis auch immer. Doch was dann? Bislang schied kein Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland freiwillig aus dem Amt. Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) etwa wurden vom Wähler in den ungeliebten Ruhestand geschickt. Konrad Adenauer (CDU) wurde von der eigenen Partei und vom Koalitionspartner FDP entmachtet. Helmut Schmidt (SPD) war durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst worden.

          Merkel aber hatte einst – mit Blick auf den scheinbar ewigen Kanzler Kohl – einmal gesagt, sie wolle selbstbestimmt nach Hause gehen. Will sie das wirklich? Kann sie das? Die glühenden Anhänger in der CDU trauen ihr auch das zu. Andere sehen es realistischer und verweisen auf die Vergangenheit und die Schicksale ihrer Vorgänger. Vier Jahre in der Politik sind eine lange Zeit. Und manche sind sich gewiss – gleichgültig, wie die Bundestagswahl ausgehe: Langsam, aber sicher werde die Nachfolgedebatte beginnen.

          Schon vor gut vier Jahren, wurde ehedem berichtet, führte Merkel ein Gespräch mit Wolfgang Schäuble, dem politischen Hausmeier Kohls, dem einst von Kohl der Weg ins Kanzleramt verbaut wurde. Es ging um die Frage, wann ein Kanzler aufhören könne, ohne die Chancen seiner Partei auf den Sieg in einer Bundestagswahl zu gefährden. Schäuble, der Analytiker, soll Merkel – 2012 soll das gewesen sein – gesagt haben, sie werde 2017 vor der gleichen Frage und derselben Lage stehen: Keine personelle Alternative in der CDU werde zu sehen sein. Ein neuer Kanzlerkandidat brauche mehr als ein Jahr, sich bei den Wählern bekannt zu machen. Eine vorzeitige Bekanntgabe aber, sich nicht wieder um die Kanzlerschaft bewerben zu wollen, untergrabe sofort die Fähigkeit, Partei und Regierung mit der gebotenen Autorität zu führen. So kam es. Und nun?

          Spekulationen in der CDU und in Frageform auch an deren Spitze gab es, Merkel könnte 2018 das Amt der CDU-Parteivorsitzenden abgeben. Ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin hätte dann bis 2021 Zeit, sich zu bewähren und dann wie selbstverständlich die Unionsparteien in den Wahlkampf zu führen. Das Problem: Zu den Grundsätzen Merkels – wie einst auch Kohls – gehört es, Kanzlerschaft und Parteivorsitz in einer Hand zu belassen. Als Gerhard Schröder, den sie in der CDU immer noch als den besten Wahlkämpfer ansehen, den die SPD gehabt habe, 2004 den SPD-Vorsitz an Franz Müntefering abgab, war für Merkel klar: Das war Schröders größter handwerklicher Fehler; das war der Beginn seines politischen Abstiegs.

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