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Mit Merkel in Aachen : Herzbeben bei Laschets Wahlkampffinale

Der weisende Weg in Richtung Kanzleramt? Merkel und Laschet beim CDU-Wahlkampfabschluss in Aachen. Bild: EPA

Zum Wahlkampfabschluss in seiner Heimatstadt Aachen hat sich Unionskandidat Armin Laschet die scheidende Kanzlerin an die Seite geholt. Angela Merkel lobt ihn als Brückenbauer, er warnt mit Verve vor einem rot-grün-roten Bündnis.

          6 Min.

          Es steht Spitz auf Knopf. Auf dem Abteiplatz in Aachen-Burtscheid macht die CDU das ohne Umschweife deutlich. „Jetzt 24 Stunden kämpfen. #cdustärkstekraft“ steht auf einem Banner neben der großen Bühne für das Wahlkampffinale der Partei. Eine Cover-Band mit dem schönen Namen „Heartbeat“ spielt vor dem Abteitor passend zur demoskopischen Lage Hits wie „Herzbeben“ von Helene Fischer. Wenig später schieben sich Unionskanzlerkandidat Armin Laschet und die scheidende Kanzlerin Angela Merkel durch die Menge zum Rednerpult. Als musikalische Anspielung schallt „I got a feeling“ über den Platz.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Burtscheid gehört zur Aachener Innenstadt, bis zum Weltkulturerbe Aachener Dom ist es nicht weit. Doch Laschet bevorzugte die Burtscheider Kulisse für seinen allerletzten Auftritt in diesem seltsamen Bundestagswahlkampf 2021. Von Burtscheid aus begann Laschet seine politische Karriere. In Burtscheid gründete er seine Familie. In Burtscheid wohnen er und seine Frau bis heute in einem bescheidenen Reihenhaus, in Burtscheid befindet sich seine griechische Lieblingstaverne. Und in Burtscheid trat Merkel 2017 einen Tag vor der nordrhein-westfälischen Landtagswahl auf dem Abteiplatz ebenfalls mit ihm auf, was Laschet am Samstag als ausgesprochen gutes Omen wertet.

          Laschet erinnert an schwankende Umfragewerte im Jahr  2017

          Der Kanzlerkandidat erinnert zu Beginn seiner Rede später daran, dass auch vor viereinhalb Jahren die Umfragen „so schwankend“ gewesen seien, viele nicht an einen Wahlsieg der CDU glaubten. „Damals war Angela Merkel genau hier, und ich bin sicher, weil sie heute wieder hier ist, wird es auch morgen gelingen. Die CDU wird stärkste politische Kraft.“ Es ist erstaunlich, Laschet macht nicht im Ansatz einen verzagten Eindruck. Er wirkt locker und frohgemut.

          Dabei findet ein langer, kräftezehrender Weg für Laschet am Samstag sein vorläufiges Ende. Erst Anfang des Jahres hatte er sich im Dreikampf um den CDU-Bundesvorsitz gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen durchgesetzt. Kaum war das geschafft, lieferte sich Laschet mit CSU-Chef Markus Söder ein Duell um die Kanzlerkandidatur. Dank der Hilfe der beiden CDU-Granden Wolfgang Schäuble und Volker Bouffier setzte er sich durch, die Basis aber blieb skeptisch. Viele CDU-Mitglieder glaubten immer, Söder wäre der bessere Kandidat gewesen. 

          Trotzdem ging Laschet mit der Gewissheit in den Bundestagswahlkampf, niemand sei besser geeignet als er, dafür Sorge zu tragen, dass die Union anders als die anderen christlich-demokratischen Parteien in Europa als Volks- und Staatspartei erhalten bleibt. Wenige Wochen ist es erst her, da schien ausgemacht, dass Laschet der nächste Bundeskanzler wird. Noch Mitte Juli ermittelten Demoskopen recht stabile Werte um 30 Prozent für die Union.

          Doch Laschet bewegte sich auf dünnem Eis. In der verheerenden Juli-Flut gelang es ihm nicht, als Krisenmanager zu punkten. Ein stetiger Sinkflug begann danach und aus vielen anderen Gründen für die Union. Umso wichtiger ist für Laschet, dass CDU und CSU in den letzten Umfragen wieder zu den Sozialdemokraten aufschließen konnten. Bei den Demoskopen aus Allensbach lag die Union am Freitag nur noch einen Punkt hinter der SPD. Im Endspurt zählt jede Stimme, das scheint diesmal mehr als nur das Gerede von Parteistrategen zu sein. Die Union jedenfalls hofft, sich doch noch auf Platz eins schieben zu können – womöglich auch dank der Hilfe von Angela Merkel auf den allerletzten Metern. 

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