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ZDF-Sendung „Klartext“ : Schulz wird persönlich

Die meisten Fragensteller lassen Schulz im Dialog nicht so einfach davonkommen. Sie haken nach und widersprechen, sanft unterstützt von den Moderatoren, die Schulz ab und an auffordern, Themen herunterzubrechen und kurze Antworten zu geben. Besonders hartnäckig ist ein Unternehmer aus dem rheinland-pfälzischen Pirmasens, der von Schulz’ eine klare Antwort auf die Frage nach einem Entschuldungsfond für Kommunen haben will. Doch Schulz verweigert sich leicht genervt dieser Ja-Nein-Logik. Dafür sei das Problem zu komplex – eine Antwort, mit der sich die Zuhörer auch bei anderen Themen zufriedengeben müssen.

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Was Schulz sonst noch will? 15.000 zusätzliche Stellen bei der Polizei, eine Aufwertung der Handwerksberufe, ein starkes Europa, eine nationale Allianz für Bildung. Das Gesetz zur Einführung der Musterfeststellungsklage in Kraft setzen, dass Angela Merkel „persönlich blockiert“. Was Schulz nicht will? Einer Koalition mit der Linken eine Absage erteilen, auch wenn er von der Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, schon Erstaunliches gehört habe. Antisemiten im Bundestag. Ungarn aus der EU ausschließen. Asylsuchende, die Gesetze brechen. „Wer in dieses Land kommt und Schutz sucht und unter diesem Deckmantel die Gesetze bricht, der muss gehen“, sagt Schulz.

So bleibt am Ende der Eindruck, dass der SPD-Spitzenkandidat sich zwar bemüht, Verständnis zu signalisieren, Nähe herzustellen und mit Erstens-zweitens-drittens-Aufzählungen Struktur in seine Antworten zu bringen; aber auch, dass seine Aussagen dabei längst nicht so präzise sind, wie es der Sendungstitel „Klartext“ verspricht.

Keine große Debatte über Integration

Spannend wird die Sendung noch einmal bei einem Einspiel-Film über den homosexuellen Pegida-Unterstützer Heiko Müller aus Dresden. Er fürchtet sich davor, ein Fremder im eigenen Land zu werden und möchte mit Schulz über die Integration von Flüchtlingen sprechen. Die Zuschauer fragen sich, ob im Studio nun ein aufgeladenes Gespräch zwischen Schulz und Müller folgen wird. Doch Müller kann bei der Sendung nicht dabei sein, er hat sich kurz zuvor am Knie verletzt. Moderator Frey übermittelt seine Frage: Was Schulz tun wolle, um eine Ghettoisierung zu verhindern? „Investitionen in den geförderten Wohnungsbau und Integration in Arbeit“, antwortet der. Eine größere Debatte bleibt an dieser Stelle aus.

Glaubhaft emotional wird Schulz beim Thema Schleuserkriminalität und dem Umgang der Europäischen Union (EU) mit den Flüchtlingen. Er plädiert für mehr Solidarität innerhalb der EU und berichtet von seinen Besuchen im sizilianischen Catania und auf Lampedusa – und von dem Moment, als er vor der griechischen Insel Lesbos ein Boot mit Flüchtlingen kentern sah. Deshalb werde er all jene unterstützen, die der Schlepper-Mafia das Handwerk legen wollten, erklärt Schulz.

Die Frage einer Hotelbesitzerin aus dem Allgäu, die selbst zwei Asylsuchende beschäftigt, warum gut integrierte Menschen dennoch abgeschoben würden, beantwortet Schulz mit einer Attacke auf den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer. Dieser rühme sich dafür, möglichst viele Menschen abzuschieben. Schulz plädiert für eine Einzelfallprüfung bei Asylverfahren.

Im Hinblick auf eine Abschaffung des Dublin-Verfahrens, wie von der letzten Fragestellerin des Abends gefordert, klingt Schulz’ Antwort jedoch eher pragmatisch-perspektivlos: Dafür werde ein einstimmiger Beschluss der EU-Mitgliedsländer benötigt – der eher unwahrscheinlich sei, sagt Schulz. Trotzdem werde er sich, sollte er Kanzler werden, für Verbesserungen in diesem Bereich einsetzen, schiebt er hinterher.

Als die Sendezeit schon fast vorbei ist, sorgt der SPD-Kanzlerkandidat dann noch mal für eine Überraschung – auf die er sichtlich stolz ist. Schulz erklärt, er habe Merkel am Dienstag einen Brief geschrieben, in dem er sie zu einem zweiten Fernsehduell aufgefordert habe. Schließlich habe er mit der Kanzlerin längst noch nicht alle gesellschaftlich relevanten Fragen diskutieren können. Das hätten Sendungen wie diese gezeigt.

In der zweiten Sendung der Reihe, „Klartext, Frau Merkel!“ stellt sich am 14.9. Bundeskanzlerin Angela Merkel den Fragen der Bürger.

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