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Serie „Besuch beim Wähler“ (7) : Plagiate sind ihnen egal

Freut sich auf den nächsten Termin der Grünen: Ruben Schrörs (zweiter von links) mit seiner Wohngruppe Bild: Stefan Finger

Die Bewohner einer WG der Lebenshilfe haben einen anderen Blick auf die Politik. Ob ein Kanzlerkandidat irgendwo abgeschrieben hat, interessiert sie nicht. Wählen werden sie bestimmt.

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          Ich möchte wählen, weil ich neugierig bin, wer die neue Bundeskanzlerin wird“, sagt Eva Lipka. Wer genau kandidiert, fällt ihr auf Anhieb nicht ein. Michael Lorenz hilft ihr auf die Sprünge. Er ist Leiter der Lebenshilfe in Kempen, einer Stadt im Kreis Viersen. Erst neulich, sagt er, hätten sie doch über die Frau gesprochen, die als Bundeskanzlerin kandidiert. Dann erinnert Eva Lipka sich: Annalena Baerbock, stimmt. Politik funktioniert in der Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen anders. Hier ist es nicht wichtig, welcher der Kanzlerkandidaten plagiiert oder wer beim Besuch in den Hochwassergebieten die bessere Figur macht.

          Sofia Dreisbach
          Redakteurin in der Politik.

          Alle, die an diesem Tag im großen Wohnzimmer der WG in der De-Veuster-Straße um den Tisch sitzen, heben die Hand bei der Frage, wer bei der Bundestagswahl wählen wird. Selbstverständlich ist das nicht. Noch bis vor zwei Jahren waren Personen mit Betreuung in allen Angelegenheiten von Wahlen ausgeschlossen – und damit mehr als 85.000 Bürger. Im Mai 2019 strich der Bundestag diesen Passus aus dem Bundeswahlgesetz, seither gilt inklusives Wahlrecht für alle.

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