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Baerbock und das „N-Wort“ : Magisches Denken bei den Grünen

  • -Aktualisiert am

Wahlkampf mit Hindernissen: Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Bild: Lucas Bäuml

Nach Boris Palmer hat auch die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock das rassistische „N-Wort“ benutzt. Sie hat sich dafür entschuldigt, der Tübinger Grüne nicht. Dabei liegt ihr Fall anders.

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          Dass ausgerechnet Boris Palmer seine Parteifreundin Annalena Baerbock dafür lobt, sich nach der Verwendung des „N-Worts“ dafür entschuldigt zu haben, mutet wie höhere Ironie an. Der Tübinger Oberbürgermeister von den Grünen hatte die aus Kolonial- und Sklavereizeiten stammende abfällige Bezeichnung für Menschen schwarzer Hautfarbe selbst in einem von ihm als ironisch bezeichneten Beitrag zum Thema Rassismus benutzt. Palmer hatte sich nicht entschuldigt, sondern nur bedauert, wenn er jemand verletzt haben sollte. Er nehme aber nichts zurück. Für Baerbock war das Grund genug, Forderungen nach seinem Parteiausschluss zu unterstützen.

          Die Kanzlerkandidatin der Grünen zeigt sich anders als Palmer überaus zerknirscht und selbstkritisch. Dabei hat sie das „N-Wort“ völlig ironiefrei und emotional aufgewühlt in einem Videointerview zitiert, um einen ihr zugetragenen rassistischen Vorfall an einer Schule plastisch zu schildern. Und hätte die Bild-Zeitung sie nicht vor dem Hintergrund der Causa Palmer zu ihrer Verwendung des Wortes befragt, wäre Baerbock mitten im Wahlkampf nach einer Serie von Fehlern und Pannen wohl kaum in Panik verfallen. Aus Furcht, in der aufgeheizten identitätspolitischen Debatte als Rassistin gebrandmarkt zu werden, hat Baerbock mit einem Piepton das schlimme Wort zensiert. Sie beugt sich damit dem magischen Denken vieler in ihrer Partei. Und erhält zur Strafe auch noch Lob von Palmer.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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