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Kommentar : Krampf statt Zauber

Angela Merkel am Sonntagabend in der Parteizentrale der CDU Bild: Helmut Fricke

Merkel kann Kanzlerin bleiben, wenn es ihr gelingt, ein schwarz-gelb-grünes Bündnis zu schmieden. Das wird nicht einfach werden. Merkels Flüchtlingspolitik erwies sich schon für die untergegangene große Koalition als Ballast, der beiden Partnern schwere Verluste einbrachte.

          Die Unionsparteien haben es wieder geschafft: Sie wurden, wie mit zwei Ausnahmen seit 1976, stärkste politische Kraft im neuen Bundestag. Dafür, das trübt die Freude der Union gewaltig, reichte das zweitschlechteste Ergebnis seit 1949. Es würde, weil auch die Juniorpartnerin in der großen Koalition, die SPD, von den Wählern abgestraft wurde wie nie zuvor, der Kanzlerin eine vierte Amtszeit ermöglichen. Dafür müsste es Merkel jedoch gelingen, ein Bündnis aus CDU, CSU, FDP und Grünen zu schmieden. Das ist die einzige Möglichkeit, die ihr bleibt, da die SPD in die Opposition geht. Ein schwarz-gelb-grünes Bündnis fehlt Merkel noch in ihrer Koalitionssammlung. Es wäre freilich nicht weniger eine Zwangsheirat als der aus der Not geborene zweimalige Pakt mit der SPD. Die Kanzlerin hat, was die Grünen angeht, kaum Berührungsängste. Doch die CSU, der im nächsten Jahr die Landtagswahl ins Haus steht, tut sich da ungleich schwerer, zumal nach diesem schwachen Ergebnis. Dem schwarz-gelb-grünen Anfang, so er überhaupt gelingt, wird Krampf innewohnen, nicht Zauber.

          Merkel hat doch nicht so viele Wähler becirct, wie es noch bis vor vier Wochen aussah, weswegen sogar die CSU mit dem Konterfei der Kanzlerin warb. Ihre Popularität hatte nach dem Tief im Flüchtlingsherbst alte Höhen erklommen, weil Deutschland sich im Meer der Krisen wie eine Insel der Glückseligen ausnimmt: politisch stabil, ökonomisch gesund. Schulz gelang es nicht, die hier und da glimmende Unzufriedenheit zu einer Wechselstimmung anzufachen. Die Wähler nahmen ihm einfach nicht ab, dass die SPD vier Jahre lang in der Opposition gewesen sei.

          Das scheinen die Deutschen der SPD auch auf einem anderen Gebiet nicht vergessen zu haben, das die Union ebenfalls einige Prozentpunkte gekostet haben dürfte: der Masseneinwanderung. Der als abgeworfen betrachtete Ballast der Grenzöffnung lastete plötzlich wieder auf der Union, weil Merkel dem Thema im Wahlkampf nicht auswich, sondern trotzig „Je ne regrette rien“ summte. Daraufhin sang auch die AfD wieder dankbar ihre alten Lieder. Kandidaten und Moderatoren des „Duells“ redeten fast eine Stunde lang über die Flüchtlingskrise von 2015, wohl in der Hoffnung, damit der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Erreicht haben sie, wie auch die Warnungen von Grünen und FDP, das Gegenteil.

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