https://www.faz.net/-gpf-7hg54

Interview im „SZ Magazin“ : Peer Steinbrück zeigt den Mittelfinger

Stinkefinger: Peer Steinbrück Bild: dpa/SZ-Magazin/Alfred Steffen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zeigt in einem Interview den Mittelfinger. Kalkül oder ein weiteres Fettnäpfchen kurz vor der Wahl?

          1 Min.

          Riskantes Kalkül oder nur ein weiteres, vielleicht entscheidendes Fettnäpfchen kurz vor der Bundestagswahl? Mitten in der heißen Wahlkampfphase zeigt Peer Steinbrück seinen Mittelfinger - und dürfte damit für hitzige Diskussionen über den angemessenen Stil eines Kanzlerkandidaten sorgen. Steinbrücks ungewöhnliche Geste wird am Freitag auf dem Titelbild des Magazins der „Süddeutschen Zeitung“ abgedruckt.

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Magazin hatte Steinbrück für seine Serie „Sagen Sie jetzt nichts...“ interviewt, in der Prominente und Politiker auf Fragen nur mit Gesten reagieren dürfen. Auf die Frage „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?“ reagierte der SPD-Kanzlerkandidat mit dem hochgereckten Mittelfinger.

          Nach Angaben von „Süddeutsche.de“ habe Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine, der früher Journalist bei der „Bild“-Zeitung war, den Abdruck des Fotos nach dem Interview noch verhindern wollen. Steinbrück habe „etwas zu spontan“ auf die Frage reagiert, wird Kleine zitiert. Steinbrück selbst habe das Foto dann aber mit den Worten freigegeben: „Nein, das ist okay so.“ Gegenüber „Spiegel Online“ sagte Kleine, er sehe in dem Foto keine Schwierigkeit. „Warum sollte ich eine Schwierigkeit sehen?“

          Schon kurz nach Bekanntwerden des Fotos wurde Steinbrück für seine Geste teils heftig kritisiert. „Das kann doch wohl nicht der Stil eines Bundeskanzlers sein“, twitterte FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) stellte Steinbrücks Eignung als Kanzlerkandidat infrage. „Die Geste verbietet sich als Kanzlerkandidat. So etwas geht nicht“, sagte Rösler am Rande des Wahlkonvents seiner Partei in Mainz.

          Der SPD-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, stellte sich hingegen hinter Steinbrück. „Gemessen daran, wie mit Peer Steinbrück zu Beginn des Wahlkampfes teilweise umgegangen wurde, finde ich diese ironische Reaktion sehr verständlich, sagte er „Focus Online“.

          Steinbrück verteidigte die Geste am Donnerstagabend - und hofft auf den Humor der Menschen im Land. „Da werden einem Fragen gestellt, die man übersetzt in Gebärden, in Grimassen, in Emotionen“, sagte Steinbrück am Rande einer SPD-Kundgebung in München über die besondere Interviewform des Magazins. „Das schauspielert man dann. Und ich hoffe, dass die Republik auch den Humor hat, dann diese Grimassen und diese Gebärdensprache bezogen auf die Fragen richtig zu verstehen.“ Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass das Magazin dieses Foto auf den Titel nehmen wolle, sagte Steinbrück: „Nein.“

          Weitere Themen

          Das steckt hinter dem Rechtsstreit Video-Seite öffnen

          Polen und die EU : Das steckt hinter dem Rechtsstreit

          EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kamen sich bei der Aussprache im EU-Parlament am Dienstag nicht entgegen.

          Topmeldungen

          Konkurrenten um das Amt des Finanzministers: Robert Habeck (links) und Christian Lindner

          Ampel-Verhandlungen : Wer was wird

          Welche Partei welches Ministerium bekommt, soll erst am Schluss der Koalitionsverhandlungen besprochen werden. Doch im Hintergrund hat das große Verteilen längst begonnen. Ein Überblick aus der Berliner Gerüchteküche.
          Den Auftritt in Amsterdam hatten sich Erling Haaland (Zweiter von rechts) und der BVB sicher anders vorgestellt.

          0:4-Debakel in Champions League : Der BVB wird regelrecht zerlegt

          Das Duell mit Ajax Amsterdam gerät für Borussia Dortmund zur Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Torhüter Gregor Kobel verhindert ein noch deutlicheres Ergebnis. Trainer und Spieler des BVB sind bedient.
          Julian Reichelt

          Der Fall Julian Reichelt : Was uns der Rauswurf des Bild-Chefs sagt

          Der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Job los. Bei seinem Betragen ist das nur angemessen. Springer-Chef Döpfner hält ihn indes für einen „Rebellen“. Das ist der falsche Begriff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.