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Die Welt reagiert auf die Wahl : „Hitler im Parlament“

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Die Ergebnisse der deutschen Bundestagswahl auf der Titelseite: in Athen interessiert man sich sehr für den Ausgang der Wahl. Bild: Reuters

Erleichterung in China, Glückwünsche aus Madrid und Empörung über die AfD in Ankara: Die F.A.Z.-Korrespondenten berichten über die internationalen Reaktionen auf den Ausgang der Bundestagswahl.

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          Überrascht über den Wahlsieg der Union waren wohl die wenigsten, nicht nur innerhalb Deutschlands. Die Reaktionen auf den Einzug der AfD in den Bundestag fallen international aber sehr unterschiedlich aus: Die einen warnen vor „Hitler im Parlament“, die anderen schicken Glückwünsche. Die kommen etwa von politisch Gleichgesinnten aus Europa, aber auch aus Israel.

          Die Türkei sieht einen „Nazi-Schock in Deutschland“

          In der Türkei ist die Bundestagswahl am Montag dagegen nur das zweitwichtigste außenpolitische Thema. Merkels Wiederwahl steht im Schatten des ebenfalls für Montag angesetzten kurdischen Unabhängigkeitsreferendums im Nordirak. Dabei scheinen sich die türkischen Zeitungen einig, dass es sich bei der AfD um eine Wiedergängerin der NSDAP handele: „Hitler im Parlament“, heißt es zum Beispiel in dem regierungsnahen Blatt „Posta“, in dem auch behauptet wird, das Ergebnis habe „die Welt schockiert“.

          Die Zeitung „Star“ schreibt in ähnlicher Manier von einem „Nazi-Schock in Deutschland“ und macht einen „türkeifeindlichen Hass-Diskurs“ von CDU und SPD für das Erstarken der AfD verantwortlich. Auch das von der türkischen Regierungspartei AKP gesteuerte Blatt „Sabah“ schreibt, in Deutschland seien Neonazis ins Parlament eingezogen – ähnlich urteilten auch andere Zeitungen, wobei die regierungskritische „Cumhuriyet“ keine Ausnahme macht: „Auch die Nazis sind im Parlament“, schrieb das Blatt, dessen Redakteure wegen kritischer Berichterstattung von der türkischen Regierung drangsaliert werden. (tens.)

          Die Bundestagswahl und die Brexit-Verhandlungen

          In den britischen Medien wird das Ergebnis der Bundestagswahl differenziert kommentiert. Die meisten bewerten den Sieg der CDU/CSU als bitteren und fragwürdigen Erfolg – als „hohl” (BBC) – und sehen Deutschland vor einer schwierigen Regierungsbildung. Das gute Ergebnis der AfD, die Journalisten wahlweise als „weit rechts”, „nationalistisch” oder „hässlich” apostrophieren, wird in seiner historischen Bedeutung gewürdigt, ohne in einen alarmistischen Ton zu verfallen. In vielen Zeitungsspalten wird daran erinnert, dass rechtspopulistische Parteien in ganz Europa Erfolge feiern und Deutschland eben nunmehr keine Ausnahme mehr darstelle. Aufmerksamkeit erhielt die Tatsache, dass die meisten AfD-Wähler der Partei ihre Stimme aus Protest gegen die große Koalition und insbesondere deren Flüchtlingspolitik gegeben haben, nicht aber aus innerer Überzeugung.

          Die BBC sprach von einem „chaotischen Tag für die deutsche Politik” und entdeckte „Spaltung und Unzufriedenheit” im Land. In der „Financial Times” warb Chefredakteur Tony Barber dafür, die „Perspektive” zu wahren: „Deutschland bleibt eine sehr solide Demokratie mit einer gemäßigten politischten Kultur.” Im „Guardian” befand ein niederländischer, in Amerika lehrender, Gastautor, dass die AfD nur dauerhaft Erfolg haben werde, wenn sich die Fraktion zu einer skandalfreien Kraft mit einer kohärenten Politik entwickeln würde: „Im Blick auf die deutsche Geschichte und die europäischen Präzedenzfälle ist das höchst unwahrscheinlich.” Der „Daily Telegraph” sieht Merkel vor einem „steinigen Weg”, die „Times” vor einem „Ritt über den Bodensee”. Die Kanzlerin werde nun mit einer neuen Koalition „die Probleme, an deren Verursachung sie beteiligt war, in Angriff nehmen müssen, statt sich wegzuducken”, hieß es im Leitartikel der „Times”.

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