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Die Welt reagiert auf die Wahl : „Hitler im Parlament“

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Mit einem Seitenhieb auf  die amerikanische Politik unter Präsident Trump heißt es, Deutschland und China wollten Krisen mit Diplomatie und Verhandlungen und nicht militärisch lösen. Und beide Staaten unterstützen auch eine offene Wirtschaft, seien für Globalisierung  und Multilateralismus und das Pariser Klimaabkommen. Es sei zu hoffen, dass Merkel weiter den Protektionismus bekämpft und die chinesischen-deutschen Beziehungen und die Weltwirtschaft frei von Störungen hält.

Reden nach der Wahl : Merkel kleinlaut, Gauland obenauf

Der Hongkonger Fernsehsender Phoenix führte Merkels Erfolg auf die gute Wirtschaftslage in Deutschland zurück. Deutschland sei Grundpfeiler der Europäischen Union und Lokomotive des Euro-Raumes.

Die Pekinger „Global Times“ sieht Deutschlands Rolle unter Merkel über den europäischen Raum hinaus. Deutschland sei nach dem Sieg von Trump, dem Brexit und der Niederlage der traditionellen Parteien in Frankreich die letzte Hoffnung für die Stabilität des Westens. (P.K.)

Die Lega Nord wittert ihre Chance

Für die Italiener ist Deutschland nun nicht mehr das fast einzige EU-Land, das gegen Populisten von rechts wie immun erscheint. Zudem ist nach den ersten Äußerungen von Politikern und Kommentatoren am Montag die „mächtigste Frau der Welt“, die bisherige und wohl auch zukünftige Bundeskanzlerin Angela Merkel, nicht mehr unschlagbar.

Denn nicht nur die Sozialdemokraten der SPD sondern eben auch die CDU von Frau Merkel hätten erheblich an Stimmen eingebüßt, heißt es allgemein. Ein Jahrzehnt der Großen Koalition sei als Kuschelära mit der Tendenz, die heißen Themen zu verbrämen, abgewählt und die kleinen Volksparteien gestärkt worden.

Der Deutschland-Korrespondent des „Corriere della Sera“ Danilo Taino zieht daraus den Schluss, dass Deutschland, das ein Jahrzehnt Anker der Festigkeit war, nun selber seine Stabilität eingebüßt habe. Das traditionelle politische System der zwei starken Volksparteien sei untergegangen. Das bringe einige Unsicherheit für die Zukunft Europas mit sich, meint Stefano Folli von der „Repubblica“. Denn nun müsse Angela Merkel eine Koalition mit Liberalen und Grünen gründen, die in Bezug auf EU und Euro unterschiedliche Positionen hätten.

Auch der „Fatto Quotidiano“ sieht die Kanzlerin in Brüssel geschwächt; während Italiens Ex-Botschafter in Berlin, Michele Valensise, in „La Stampa“ meint, die AfD werde gewiss ein Dorn für Merkels Politik sein, aber das operative Ergebnis der Regierung Merkel nicht bedingen.

Auch Außenminister Angelino Alfano erklärt, dass zwar die Rechtspopulisten von der AfD große Erfolge erzielt hätten. Tatsächlich aber hat „Deutschland wieder einmal Volksparteien gewählt und der gesunde Menschenverstand siegte“, twitterte Alfano und gratulierte Frau Merkel.

Der Chef des sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) Matteo Renzi sieht in dem schwachen Abschneiden der SPD die Aufforderung, nun erst recht für den Sieg zu kämpfen, wenn im kommenden Frühling auch in Italien gewählt wird. „Denn entweder siegen diese Populisten, die nur schreien, oder wir.“

Luigi Di Maio, gerade gekürter Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten bei der populistischen „Bewegung 5 Sterne“ bietet sich hingegen als Partner für Merkels neue Regierung an. Frau Merkel müsse nun einsehen, dass es unter den neuen Bewegungen in Europa nur die „Sterne“ in Italien schaffen, „das Anwachsen des Extremismus einzugrenzen und zugleich neue Ideen und Inhalte für eine Verbesserung des europäischen Projekts im Interesse aller Bürger einzubringen“.

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