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Die Welt reagiert auf die Wahl : „Hitler im Parlament“

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Netanjahu und Merkel pflegen kein freundschaftliches Verhältnis, und Netanjahus eigener Rechtspopulismus steht Merkels politischem Ansatz fern. Netanjahus Hausblatt „Israel Hayom“ schrieb am Montag, die AfD „ist keine rassistische oder antisemitische Partei, auch wenn einige Mitglieder antisemitische oder rassistische Meinungen haben“ und fragte, warum Israel mit dieser Partei keine offiziellen Beziehungen pflege, mit deutschen „linksradikalen antisemitischen Anti-Israel-Parteien“ indes schon. 

AfD-Politiker hatten sich wiederholt als Freunde Israels ausgegeben, die Siedlungspolitik im Westjordanland verteidigt und die vermeintlich harte Hand gegen die palästinensische Bevölkerung gelobt. Netanjahus Parteifreund Yehuda Glick (Likud) schrieb: „All jenen, die jetzt Panik überkommt, sage ich, dass Frauke Petry intensiv daran arbeitet, die Antisemiten aus der Partei zu vertreiben.“ Dies schrieb Glick nur kurz bevor Petry ankündigte, nicht der AfD-Fraktion im Bundestag angehören zu wollen.

Berlin : Deutschland nimmt Kurs auf „Jamaika“

Die frühere Außenministerin Tzipi Livni von der zentristischen Zionistischen Union gratulierte Merkel ebenfalls und pries die Kanzlerin außerdem als „großartige Frau und Anführerin, die mutig für Werte und gegen Populismus einsteht“. Der Abgeordnete und Vorsitzende der israelisch-deutschen parlamentarischen Freundschaftsgruppe Nachman Shai nannte den Wahlerfolg der AfD „ein großes Warnsignal“ für Israel und das jüdische Volk. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses Ronald Lauder warnte vor der AfD als „eine verabscheungswürdige reaktionäre Bewegung, die an das Schlimmste der deutschen Vergangenheit erinnert“. (stah.)

Erschrecken über die „Ultras“ in Spanien

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy war begeistert. In seinem Glückwunschtelegramm an Angela Merkel freute er sich über „großen Sieg“ der Kanzlerin und die „exzellenten Ergebnisse“ der CDU. Die spanische Presse schaute genauer hin. Auf den Titelseiten der Zeitungen am Montag war von einem „bitteren Erfolg“ die Rede. Für die konservative Zeitung ABC war es sogar ein „traumatischer Triumph“.

Bei aller Erleichterung darüber, dass die Pro-Europäerin Merkel ihre verlässliche Politik fortsetzen kann, ist man in Spanien entsetzt über den Aufstieg der AfD – ein Phänomen, das man selbst nicht kennt: Auf der iberischen Halbinsel haben die Rechtspopulisten bisher nicht Fuß gefasst. Die „Rückkehr der Ultras“ bereitet vielen Kommentatoren Sorgen – nicht aber Merkels eigene Zukunft. Für den Sender RTVE ist und bleibt die Kanzlerin „die mächtigste Frau Deutschlands und der Welt“. Trotz ihres schlechten Wahlergebnisses traut man ihr zu, am Ende ähnlich lang im Amt zu sein wie Helmut Kohl.

An Merkels vierten Sieg hatte es auch in Spanien keine Zweifel gegeben. Dennoch fand die Bundestagswahl relativ großes Interesse. Das war angesichts der innenpolitischen Konkurrenz alles andere als selbstverständlich: Der eskalierende Katalonien-Konflikt füllt seit Tagen die Zeitungen und Fernsehmagazine. Die Tageszeitung „El País“ veröffentlichte vorab eine fünfteilige Serie, in der es um die verzweifelte Suche nach qualifizierten Arbeitskräften, Schützenvereine und darum ging, was in Deutschland nicht funktioniert.

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