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Hysterie um einen Antrieb : Diesel des Wahlkampfs

Zwei Deutz Dieseltrecker bei den historischen Feldtagen in Hamburg. Ob bald alle Dieselmotoren ins Museum gehören? Bild: dpa

Die Übertreibungen im Diesel-Theater zeigen Wirkung. Der Industrie soll die Abschaffung des Otto-Motors aufgezwungen werden. Deutschlands Zukunft steht auf dem Spiel. Ein Kommentar.

          Das Sommerloch ist noch nicht voll. Es passt immer noch ein Liter Diesel hinein. Wer hätte gedacht, dass der Beschluss der Grünen, nach Atom und Kohle müsse Deutschland gleich noch den Verbrennungsmotor abschaffen, zum Kraftstoff eines leerlaufenden Wahlkampfs würde? Um die gesamte stolze deutsche Autoindustrie unter Strom zu setzen, reichte eine chronische Überdosis Stickoxid, von der selbst Mediziner noch immer nicht wissen, ob und wie sehr sie die Gesundheit beeinträchtigt. Die Arbeit aber erledigen Grenzwerte, von denen allenfalls klar ist, welchen politischen Maßstäben sie gehorchen, aber nicht, welchen wissenschaftlichen. Umweltpolitische Verbände und Institutionen bis hinauf zum Umweltbundesamt können sich das zunutze machen, ohne dass gefragt würde, wo das Gemeinwohl endet und der Schaden beginnt.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Warum die Grünen davon nur wenig profitieren, ist rätselhaft – was aber die SPD nicht davon abhält, es noch grüner machen zu wollen. Der Fünf-Punkte-Plan des Kanzlerkandidaten für die Automobilindustrie übernimmt deren Werkzeuge – Quoten, Prämien, Gebote und Verbote – aber nur, damit Martin Schulz aus der Kanzlerin eine Diesel-Kanzlerin machen kann: Deren politische Werte stimmen vielleicht im Labor, solange sie sich nicht bewegen muss, aber nicht in der Realität. Dort richten sich immer mehr Deutsche laut Umfragen geistig und vor allem seelisch auf eine Zukunft mit Elektromotor ein. Die Übertreibungen im Diesel-Theater zeigen also Wirkung. Nur eine Minderheit folgt dem Protest der FDP, eine ganze Diesel-Generation werde kalt enteignet. Das treibt wiederum für CDU und SPD die neuaufgelegte Abwrackprämie, somit die Stimmung mancher Wähler nach oben, wenn auch nicht in Richtung Marktwirtschaft. Im Hintergrund aber steht die industrielle Zukunft Deutschlands auf dem Spiel.

          Man weiß nicht: Ist das Zukunftsoptimismus oder Lust an der Selbstzerstörung? Der deutschen Automobilindustrie sollte es jedenfalls zu denken geben, dass ein Streit, der vor Monaten noch über vielerorts überschrittene Grenzwerte für Stickoxid, über die Grenzen kommunaler Verkehrspolitik und über gerichtlich angedrohte Fahrverbote geführt wurde, jetzt damit endet, dass ihr die Abschaffung des Otto-Motors aufgezwungen werden soll. Das ist nicht nur ein Kommunikationsdesaster, sondern vermittelt eine Ahnung, wie wenig Gespür die deutschen Wirtschaftskapitäne für Politik haben.

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