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Kommentar : Was von Seehofers Partei übrigbleibt

  • -Aktualisiert am

CSU-Chef Horst Seehofer Bild: GUELLAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Eigentlich hätte CSU-Chef Horst Seehofer seine Karriere als schillernder Ministerpräsident beenden können, doch die Hybris trieb ihn immer weiter. Heute muss er von seiner Partei aufkehren, was übriggeblieben ist.

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          Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – diese russische Volksweisheit ist mit der Bundestagswahl bayerisch-dialektisch gewendet worden: Wer zu spät abtritt, den bestraft das Leben. Horst Seehofer hatte es in der Hand, im vergangenen Jahr als erfolgreicher CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident seine Karriere zu beenden. Doch Seehofers Hybris war größer als seine politische Vernunft. Nun muss er nach dem Debakel der Bundestagswahl die Überreste seiner Partei zusammenfegen. Was für andere Parteien noch als Triumph gelten könnte – 38,8 Prozent der Stimmen –, ist für die CSU eine abschüssige Bahn zur Landtagswahl im nächsten Jahr, bei der sie um ihre absolute Mehrheit kämpfen muss. Schon einmal in ihrer jüngeren Geschichte, von 2008 bis 2013, hat sie die Macht in Bayern teilen müssen; eine Wiederholung dieser Dürrejahre wäre das Ende des großen „Mia san mia“.

          Seehofer hält nur in seinen Ämtern, dass die Lust der üblichen Verdächtigen, ihm die Arbeit abzunehmen, begrenzt, sehr begrenzt ist; sie wollen sich nicht die Hände schmutzig machen. Wenn einer die Landtagswahl verliert, so soll er Seehofer heißen; danach können die Leibchen mit der Aufschrift „Rettungsdienst“ übergestreift werden.  Er soll auch dafür sorgen, dass die Jodler der CSU zumindest für Feinhörige im Hintergrund des Berliner Jamaika-Reggae zu vernehmen sind. Leicht wird das nicht werden; „Obergrenze“ wird allenfalls noch gesummt werden können, in der Hoffnung, dass die Wähler bei der Landtagswahl gar nicht mehr wissen, was damit ursprünglich gemeint war.

          Die rechte Flanke der CSU müsse geschlossen werden, sprechen sich Seehofer und seine Helfer Mut zu. Wie das in einer bunten Berliner Koalition gelingen soll, mit einer AfD, die auf den Oppositionsbänken Allotria treibt – dazu fallen ihnen nur Worthülsen wie „Orientierungsdebatte“ ein, die jetzt in der Union geführt werden müsse. Der Slogan „Gegen Merkel kämpfen heißt mit ihr siegen“ hat schon bei der Wahl nicht funktioniert; nach der Wahl wird er allenfalls auf Faschingsfeiern in der Münchner Landtagsgaststätte für Stimmungsaufhellungen sorgen. Angela Merkel erweckt nicht den Eindruck, dass ihr der Sinne nach einer „Orientierungsdebatte“ steht, schon gar nicht mit der CSU. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Seehofer ihr auf dem CSU-Parteitag im November statt eines Steh- einen Sitzplatz zuweist.

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