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„Jung, grün, stachelig“ : Wie viel Einfluss hat die Grüne Jugend?

Die ehemalige Sprecherin der Grünen Jugend, Ricarda Lang,am 22.11.2020 auf dem digitalen Parteitag. Bild: dpa

Über die Jusos wird viel gesprochen, aber auch die Jugendorganisation der Grünen könnte die Partei künftig vor sich hertreiben. Als die Grüne Jugend gerade dabei war, sich richtig warmzulaufen, wurde es allerdings erst einmal still.

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          Wenn Aufmerksamkeit die Währung der Politik ist, müssten die Jugendorganisationen eigentlich zufrieden sein. Die 49 Jusos in der SPD-Bundestagsfraktion werden als „Sperrminorität der neuen Regierung“ bezeichnet. Tatsächlich hätten die Fraktionen von SPD, Grünen und Linken keine Mehrheit im Bundestag, wenn sich die Jusos geschlossen der Fraktionsdisziplin entzögen. Dass auch junge Grüne den Aufstand proben könnten, macht das Leben der nächsten Regierung nicht gerade leichter. Auch die grüne Fraktion ist jünger und linker geworden. 22 Abgeordnete sind unter 30 Jahre, fast alle stammen aus der Grünen Jugend. Die Jugendorganisation, die sich selbst als „jung, grün, stachelig“ beschreibt, ist selbstbewusst und weiß, wie man die Parteiführung unter Druck setzt.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Aber als die Grüne Jugend gerade dabei war, sich richtig warmzulaufen, wurde es plötzlich still. Über Twitter teilte sie mit, dass sich die neue Bundessprecherin Sarah-Lee Heinrich erst in einigen Tagen melden werde. Angesichts von „massenhaften Morddrohungen“ habe fürs Erste ihre Sicherheit Vorrang vor Interviews. Was war geschehen? Nach der Wahl des neuen Vorstands der jungen Grünen wurden frühere Aussagen Heinrichs auf Twitter ausgegraben. Die heute 20 Jahre alte Frau hatte in früheren Jahren empörende Tweets abgesetzt: „Heil“ unter einem Hakenkreuz, von „Tunte“ und „Fotze“ schrieb sie, in einem Video beklagte sie die „eklig-weiße Mehrheitsgesellschaft“. Das war offenbar niemandem in der Grünen Jugend oder der Grünen-Partei aufgefallen. Heinrich bezeichnete die früheren Äußerungen selbst als „maximal dumm und unangebracht“, es tue ihr „wirklich leid“. Den politischen Gegner würden die Grünen damit kaum davonkommen lassen, bei Heinrich waren sie nachsichtig: „Wir machen alle Fehler. Du stehst dazu und entschuldigst dich“, schrieb die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt.

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