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Gabriel attackiert Steinbrück : „Das ist dummes Zeug“

  • Aktualisiert am

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) Bild: dpa

Außenminister Gabriel zeigt sich verärgert über die Kritik des ehemaligen Kanzlerkandidaten Steinbrück am Wahlkampf der SPD. Einer Umfrage zufolge steigt die Partei erstmals seit Wochen wieder in der Wählergunst.

          Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat verärgert auf die Kritik von Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an der Sozialdemokratischen Partei reagiert. „Das ist dummes Zeug“, sagte der Bundesaußenminister dazu in der „Bild am Sonntag“. „Ich frage mich, warum Menschen, die ihre ganze berufliche Karriere ihrer Partei zu verdanken haben, hinterher schlecht über die eigene Partei reden.“ Er habe dafür keine Erklärung.

          Ende Mai hatte Steinbrück die Wahlkampfstrategie von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz kritisiert. Steinbrück, 2013 nach einem Pannen-Wahlkampf als Herausforderer von Angela Merkel gescheitert, hielt dem aktuellen Spitzenkandidaten Schulz vor, dessen Kampagne sei zu stark auf das Thema der sozialen Gerechtigkeit ausgerichtet. Zudem warf Steinbrück der SPD vor, sie habe bei Schulz’ Kür zum Parteichef mit einem 100-Prozent-Ergebnis den Bezug zur Realität verloren. In diesem Zusammenhang bezeichnete Steinbrück Schulz in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ scherzhaft als „Erich Schulz-Honecker“.

          Gabriel betonte, er habe für Steinbrücks Auslassungen keine Erklärung. „Ich weiß nur, dass ich das bestimmt nie machen werde.“ Was habe der frühere SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt in seiner eigenen Partei alles ertragen müssen, betonte Gabriel. „Oder auch Gerhard Schröder oder Helmut Kohl, Rainer Barzel und Angela Merkel in ihrer CDU.“ Keiner habe am Ende schlecht über seine Partei geredet. „Das ist eine Haltungsfrage.“

          Bessere Umfragewerte

          Erstmals seit Wochen stieg die SPD in einer Umfrage eines führenden Meinungsforschungsinstituts wieder in der Wählergunst. Im Sonntagstrend des Instituts Emnid für „Bild am Sonntag“ legt die Partei zwei Punkte hinzu und kommt auf 27 Prozent. Zuletzt hatte die Partei infolge der Niederlagen bei drei Landtagswahlen acht Prozentpunkte innerhalb von zwei Monaten eingebüßt. Während CDU/CSU in der Umfrage unverändert gegenüber der Vorwoche bei 38 Prozent bleiben, verlieren Grüne und FDP jeweils einen Punkt und kommen auf 7 Prozent. Linke und AfD bleiben knapp vier Monate vor der Bundestagswahl bei 8 Prozent.

          Der neue SPD-Generalsekretär Hubertus Heil stellte im Interview der „Welt am Sonntag“ Bedingungen für mögliche Koalitionspartner. „Wer mit uns koalieren will, muss sich programmatisch auf uns zubewegen“, sagte Heil. Vor allem mit Blick auf die Linkspartei betonte er, Parteien, die mit der SPD koalieren wollten, müssten folgende Fragen beantworten: „Sind sie ein verlässlicher Partner im Interesse unseres Landes? Stehen sie zur außenpolitischen Verantwortung dieses Landes und sind sie klar proeuropäisch?“ Bedingt durch den Höhenflug der SPD hatte es in Umfragen im Frühjahr für eine Mehrheit von Rot-Rot-Grün gereicht. Davon sind die drei Parteien mittlerweile wieder weit entfernt.

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