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Fridays for Future : „Wir bestreiken heute DEINE Regierung, Olaf“

Greta Thunberg in Berlin: „Ihr müsst wählen gehen, aber das ist nicht genug.“ Bild: Matthias Lüdecke

In ganz Deutschland sind Zehntausende Demonstranten für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. „Deutschland ist objektiv gesehen einer der größten Klima-Bösewichte“, sagt die Aktivistin Greta Thunberg in Berlin.

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          Olaf Scholz’ Tweet kam bei den Demonstranten nicht so gut an. „Ich bin dankbar für das Engagement von Fridays for Future. Sie haben mitgeholfen, dass der Klimaschutz oben auf der Agenda steht“, schrieb der SPD-Kanzlerkandidat am Freitag auf Twitter. Die Antwort der Aktivisten von Fridays for Future lautete: „Wir wollen die gute Stimmung ja nicht zerstören – aber wir bestreiken heute DEINE Regierung, Olaf.“

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Fridays for Future hatte für den Freitag zwei Tage vor der Bundestagswahl zum „globalen Klimastreik“ aufgerufen. In Deutschland waren unter dem Motto #AlleFürsKlima Aktionen an 470 Orten geplant, weltweit sollen es rund 1500 Veranstaltungen gewesen sein. Zehntausende junge Leute zogen am Freitagmittag durch Berlin-Mitte, der Protestzug endete auf der Reichstagswiese.

          An der Kundgebung in Berlin nahm auch die Gründerin der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg, teil, ebenso die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer. „Deutschland ist objektiv gesehen einer der größten Klima-Bösewichte“, sagte Thunberg während eines Auftritts vor dem Reichstag. Man könne sich aus der Krise nicht „herausinvestieren, bauen oder kaufen“. Umso länger man so tue, „desto mehr Zeit verlieren wir“.

          In Hamburg gingen noch mehr Menschen auf die Straße. Nach Schätzungen der Polizei waren es mehr als 20.000 Teilnehmer, nach Schätzungen von Fridays for Future waren es 80.000 Teilnehmer. In Köln sprach die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, mit den Aktivisten. Die Demonstranten forderten, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten und den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 umzusetzen. Unterstützt wurden die Klimaproteste von mehr als 200 Organisationen, auch die Kirchen beteiligten sich.

          Appell an Teilnehmer des Hungerstreiks

          Die Aktivisten, die in Berlin in einen Hungerstreik getreten sind, rief der SPD-Kanzlerkandidat auf, die Aktion abzubrechen. Scholz wiederholte das Angebot an die jungen Leute, nach der Wahl mit ihnen ein Gespräch zu führen. Eine Gruppe junger Erwachsener hatte den Hungerstreik am 30. August in Berlin für eine radikale Klimawende begonnen. Damit wollten sie ein öffentliches Gespräch mit Scholz, Baerbock und dem Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet erreichen.

          Da die Politiker nicht zusagten, brachen die meisten Aktivisten ihren Hungerstreik diese Woche ab. Eine junge Frau und ein junger Mann fasten weiter und drohen damit, ab Samstagmorgen auch die Aufnahme von Flüssigkeit zu verweigern – es sei denn, Scholz rufe vorher öffentlich den Klimanotstand aus. Nach dieser Ankündigung waren Donnerstag Abend erst der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck und später Baerbock zu den Klimaaktivisten in der Nähe des Reichstags gekommen. Sie baten die beiden dringend, den Hungerstreik abzubrechen.

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