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AfD ohne Petry : Gauland im Glück

Der Austritt Frauke Petrys aus der AfD könnte die Fraktion nun einen. Bild: Imago

Frauke Petry hat mit ihrem Abgang in einem Augenblick geschafft, was Alexander Gauland ansonsten wohl nur mit viel Mühe gelungen wäre. Die Fraktion ist geeint. Ein Petry-Getreuer will in der AfD nun niemand mehr sein.

          Ein Lächeln auf dem Gesicht von Alexander Gauland ist eine Seltenheit. Meist zeigt der Fraktionsvorsitzende der AfD einen kühlen, bisweilen sogar verstimmten Ausdruck. Als die Noch-Parteivorsitzende Frauke Petry aber am Montag in der Bundespressekonferenz von ihrem Stuhl aufstand und aus dem Raum stürmte, da konnten sich Gaulands Mundwinkel nicht mehr an ihrem angestammten Platz halten. Sie bewegten sich blitzartig nach oben. Gauland lächelte, scherzte mit dem Parteivorsitzenden Jörg Meuthen und kicherte in sich hinein. Alles binnen weniger Sekunden, als Petry noch nicht einmal an der Ausgangstür angekommen war. Gauland war glücklich.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am selben Tag noch zeigte sich, warum: Die Mitglieder der AfD-Fraktion versammelten sich vollzählig und einig zu ihrer ersten Sitzung. Ein Petry-Getreuer wollte nun, da die Frauke weg war, keiner mehr sein. Die Gelegenheit war da, die Fraktion zu einen – unter Gaulands Führung natürlich. Der Mann, der sich über Jahre ein Ränkespiel mit Petry geliefert hatte, hatte nicht nur den persönlichen Kampf gewonnen. Die Unterlegene hatte ihm eine Vorlage dafür geliefert, in der von ihr ausgelösten Krise den großen Einiger zu geben. „Ich bin dankbar, dass sie jetzt diesen Weg gegangen ist“, sagte Gauland. Es sei „gut, dass sie das Problem jetzt auf diese Weise löst“. Hätte Petry hingegen – als Bundesvorsitzende mit Direktmandat und Rekordergebnis ihres Landesverbandes – in der AfD-Fraktion Platz genommen, und sei es nur als Hinterbänklerin, hätten Gauland schwierige Monate bevorgestanden.

          Während Gauland in der Bundespressekonferenz lächelte, saß Dirk Driesang im bayerischen Eichenau vor dem Fernseher und dachte: „Das kann jetzt nicht wahr sein.“ Driesang ist im ideologischen Gefüge der Partei so etwas wie der Gegen-Gauland. Er gehört dem Bundesvorstand an, hat das Ausschlussverfahren gegen den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke unterstützt und die „Alternative Mitte“ mitgegründet, einen Zusammenschluss gemäßigter Mitglieder. Er steht für den „realpolitischen Kurs“, für den auch Petry stehen wollte. Er glaubt, dass Petry die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe: „In dem Moment, wo die Realpolitik beginnt, Realität zu werden, steht Petry auf und geht.“

          Driesang meint, bei Gauland noch am Wahlabend einen Wechsel der Tonlage gehört zu haben. „Was Petry hätte wahrnehmen können, ist, dass mit dem Wahlabend die Sprache selbst eine andere wurde.“ Zwei Beispiele nennt er: Gauland habe gesagt, seine Partei wolle „unser Land und unser Volk zurückholen“, aber er habe auch präzisiert, mit „Volk“ alle Staatsangehörigen zu meinen, auch die mit Migrationshintergrund. Für Außenstehende mag das eine Selbstverständlichkeit zu sein, in der AfD sind es Signale an die Gemäßigten. Zweites Beispiel: Gauland habe gesagt, bis zum 24. September sei Wahlkampf gewesen, jetzt aber müsse man eine andere Sprache pflegen. Noch so ein Signal. „Gauland kann die Fraktion einen“, sagt Driesang.

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