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Die AFD im Bundestag : Die Geister, die Gauland rief

Ringen um Disziplin: Erste AfD-Fraktionssitzung in Berlin. Bild: dpa

Eine Spaltung der AfD-Fraktion steht nach dem Austritt von Frauke Petry nicht an. Die Botschaft an die verbliebenen 93 lautet: Eigenmächtige Provokationen sind von sofort an unerwünscht – denn sie sind Chefsache.

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          Im Großen Anhörungssaal 3101 im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus sind um Viertel vor elf schon fast alle Abgeordneten der AfD da. Noch stehen sie in Grüppchen und reden miteinander, gleich werden sie in einem äußeren und einem inneren Kreis ihre Plätze einnehmen. Auf einem Bildschirm ist das Parteilogo der AfD zu sehen und die Aufschrift „Konstituierende Sitzung 26.–27. September“. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski, wird sie leiten, er ist nicht Mitglied der Bundestagsfraktion und damit unabhängig. Am Dienstag sollen Geschäftsordnung und Satzung beschlossen werden, spätestens am Mittwoch auch die gesamte Führung der neuen Fraktion gewählt sein. Vor dem großen Saal stehen auf einem Tisch die Namensschilder der Abgeordneten, die noch nicht eingetroffen sind. Das von Frauke Petry ist nicht mehr dabei.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Drum herum herrscht großer Auftrieb. Es sind so viele Presseleute und Kameras hier, wie das sonst nur der Fall ist, wenn ein Untersuchungsausschuss die Kanzlerin oder einen wichtigen Minister befragt. „Wahnsinn!“, kommentiert ein Abgeordneter den ungewohnten Zuspruch an medialer Aufmerksamkeit. Um kurz nach elf sprechen Alice Weidel und Alexander Gauland – verstehen kann man sie schwer, ein Mikrofon fehlt. Nach weiteren möglichen Abtrünnigen unter den Abgeordneten werden sie gefragt, die der Noch-Parteivorsitzenden Petry folgen könnten. „Ich hoffe nicht“, sagt Gauland. „Ich sehe da keine Tendenzen“, sagt Weidel. So wird es kommen, wie Gauland und Weidel am Abend bestätigen. Geschlossenheit ist angesagt.

          Tatsächlich hatten gleich mehrere Landesgruppen der Abgeordneten noch am Morgen mitgeteilt, dass sie nicht daran denken, Petry zu folgen und die Fraktion zu verlassen. „Für alle Mitglieder der bayerischen Landesgruppe steht die Mitgliedschaft in der AfD-Fraktion außer Frage“, hatte deren frisch gewählter Vorsitzender Martin Hebner für die 14 Parlamentarier aus dem Freistaat mitgeteilt. Auch die Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen versicherten, dass Petrys Absage an die Fraktion von ihnen nicht unterstützt wird. „Unsere Entschlossenheit, mit unseren Kollegen in der AfD-Bundestagsfraktion gut und eng zusammenzuarbeiten, wird dadurch nicht berührt“, teilten die 15 Abgeordneten mit. Sie stellen – wie in allen anderen Fraktionen des Bundestags – die größte Landesgruppe. Auch die Parteigruppierung „Alternative Mitte“, die sich vor kurzem als Gegengewicht zu den radikalen Vereinigungen „Der Flügel“ und „Patriotische Plattform“ gegründet hatte, wollte Petry nicht beispringen. Allen Unterstellungen, sie „würde einen Personenkult pflegen oder gar auf eine Parteispaltung hinarbeiten“, erteile man eine eindeutige Absage, versicherten die Moderaten.

          Petry ist also am Dienstagmorgen schon isoliert. Am Vormittag gibt sie in Dresden bekannt, dass sie die AfD verlassen werde. „Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird“, sagt sie, nennt aber keinen Zeitpunkt. Zuvor hatte sie ihr

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