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Die AFD im Bundestag : Die Geister, die Gauland rief

AfD-Zweitstimmenanteil in Prozent

Eindeutig ist hingegen das Geschlechterverhältnis in der Fraktion. Die führende Rolle, die Alice Weidel, Beatrix von Storch und natürlich Frauke Petry in der AfD spielen und spielten, hat in der öffentlichen Wahrnehmung verdeckt, dass die AfD vor allem eine Männerpartei ist. In der Bundestagsfraktion spiegelt sich das klar wider. Nur zehn der 93 Abgeordneten sind weiblich. Zwar wählen mehr Männer die AfD als Frauen – bei der Bundestagswahl waren es 16 Prozent. Doch gaben immerhin neun Prozent der Frauen der Partei ihre Stimme. Die AfD-Fraktion hat den kleinsten Frauenanteil aller Fraktionen im Bundestag. Bei der Linkspartei sind die weiblichen Abgeordneten sogar in der Mehrheit, bei der FDP sind immerhin 18 von 80 Abgeordneten Frauen.

Sehr stark vertreten sind die Juristen

Eine der bisher wenig bekannten Frauen, die eine Führungsposition anstreben könnten, ist die 43 Jahre alte Rechtsanwältin Mariana Harder-Kühnel. Die ehemalige Klassenkameradin von CDU-Generalsekretär Peter Tauber stand an der Spitze der hessischen Landesliste. Im Wahlkampf postete sie ein Selfie mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Noch erkenne er sie nicht, aber das sollte sich nach der Bundestagswahl ändern, schrieb sie dazu.

Bei den Berufen unterscheiden sich die Abgeordneten der AfD nicht wesentlich von jenen anderer Parteien. Sehr stark vertreten sind die Juristen. Zehn Abgeordnete sind Rechtsanwälte, hinzu kommen zwei Richter und ein Oberstaatsanwalt. Auffällig ist die hohe Zahl von 15 Ingenieuren, Informatikern, Mathematikern und Naturwissenschaftlern mit Diplom. Zehn Parlamentarier haben kaufmännische Berufe. Hinzu kommen jeweils mindestens zwei Lehrer, Professoren, Polizisten, Soldaten und Ärzte. Auch ein Bestatter ist dabei.

Die Wähler der AfD

Für die Führung der Fraktion wird es vor allem darum gehen, die unerfahrenen Abgeordneten einem Mindestmaß an Disziplin zu unterwerfen. Die Vorbereitungsgruppe Fraktion, die seit Wochen an Satzung und Geschäftsordnung arbeitete, hat dabei auch bedacht, dass durch eine entsprechend hohe Zahl verantwortlicher Posten die verschiedenen Landesverbände und Gruppierungen eingebunden werden müssen. Orientiert hat sie sich dabei an der Geschäftsordnung der früheren FDP-Fraktion. Danach soll es fünf stellvertretende Fraktionsvorsitzende und vier parlamentarische Geschäftsführer geben. Den Posten eines angestellten Fraktionsgeschäftsführers könnte der 69 Jahre alte Berliner AfD-Abgeordnete Hans-Joachim Berg übernehmen. Der Rechtsanwalt, der mehr als 30 Jahre in der CDU war und zum nationalkonservativen Flügel zählt, hat lange in der Bundestagsverwaltung gearbeitet; er war auch in der Vorbereitungsgruppe aktiv. Am Abend teilen Gauland und Weidel mit, das sie mit 86 Prozent gemeinsam zu Fraktionsvorsitzenden gewählt wurden. Alle weiteren Wahlen sollen am Mittwoch erfolgen.

Sicher ist: Gauland will sich den Wahlerfolg nicht durch Querschüsse und schrille Selbstprofilierungen von diesem oder jenem Abgeordneten kaputtmachen lassen. Die Geister, die er rief, will er nun auch beherrschen. Gauland forderte noch am Wahlabend dazu auf, keine Sprüche zu machen, mit denen die AfD in die rechte Ecke gestellt werden könne. Weidel legte den Abgeordneten nahe, mit „Demut“ und „Sorgfalt“ ihr Mandat anzunehmen. Die Botschaft lautete: Eigenmächtige Provokationen sind von sofort an unerwünscht – denn sie sind Chefsache.

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