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Fotoprojekt „Gleiches Licht für alle“ : Deutschland wählt den Bundestag

Deutsche Spitzenpolitiker, wie sie sich selbst sehen - oder wie sie gesehen werden wollen Bild: Stefan Thomas Kröger

Der Wahlkampf - langweilig. Merkel - überparteilich. Die Wahl - längst entschieden. Da könnte man ja glatt abschalten. Oder genauer hinsehen: Stefan Thomas Kröger hat deutsche Spitzenpolitiker fotografiert - und dabei so manche Überraschung erlebt.

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          Zehn Monate lang hat Stefan Thomas Kröger deutsche Spitzenpolitiker fotografiert. Immer nach derselben Manier: neutraler Hintergrund, Scheinwerferlicht, feste Positionen. Der Fotograf aus Hannover bat um einen „positiv-neutralen Gesichtsausdruck“ und um „Hände über dem Gürtel“. Er fotografierte am Rande von Parteitagen, in der SPD-Parteizentrale und in einem Reichstagsbüro. Herausgekommen ist eine Galerie deutscher Spitzenpolitiker in Bund und Ländern – Bilder, auf denen sie sich zeigen, wie sie sind oder wie sie gesehen werden wollen. Wenn das überhaupt ein Unterschied ist.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Der Fotograf erlebte manche Überraschung. Dirk Niebel zum Beispiel, den Entwicklungshilfeminister, hatte er sich eher rauhbeinig vorgestellt. Tatsächlich war der FDP-Mann dann ganz locker und entspannt. Oder Jürgen Trittin. Den wies Kröger eigens daraufhin, dass er etwas arrogant wirke – aber der grüne Spitzenkandidat sah darin überhaupt kein Problem.

          Fast alle der 130 Politiker, die Kröger fragte, machten mit. Mit vier bemerkenswerten Ausnahmen. Angela Merkel und Horst Seehofer gaben an, sie hätten keine Zeit. Dabei hätte das Fotoshooting nicht lange gedauert, nur ein paar Minuten. Und die Kanzlerin hätte es nicht einmal weit gehabt: Kröger fotografierte in einem Raum des Reichstags, der direkt neben ihrem Kanzlerbüro liegt. Auch Oskar Lafontaine winkte ab, er wollte nicht in einem Studio posieren. Und Norbert Röttgen, ehedem Bundesumweltminister, hatte einfach keine Lust.

          Aber vielleicht hatten die vier Neinsager ja noch einen anderen Grund. „Gleiches Licht für alle“ nannte Kröger sein Projekt. Für Leute, die es gewohnt sind, dass sich alle Scheinwerfer auf sie richten, muss das keine Verheißung gewesen sein.

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