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Mögliche FDP-Fraktion : Lindners Leute

Bild: dpa (4), Frank Röth, Getty

Sollte die FDP wieder in den Bundestag einziehen, würden viele neue Gesichter in den Plenarsaal kommen. Mit dieser Truppe müsste der Parteivorsitzende Lindner versuchen, das Image der Klientelpartei abzulegen.

          Eines weiß inzwischen jeder: Die Freien Demokraten haben einen Spitzenkandidaten. Aber hat die Partei außer ihm Politiker, die in einer Fraktion oder gar einer Regierung mitmachen könnten? Vier Jahre seines Lebens hat Christian Lindner aus Wermelskirchen damit verbracht, die ziemlich abgewirtschaftete FDP wieder flott und wählbar zu machen. Würde die Partei tatsächlich den Wiedereinzug ins Parlament schaffen, wäre wohl das spektakulärste politische Comeback der bundesdeutschen Geschichte gelungen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dahinter steckt harte Arbeit. Lindner hat vorgerechnet, dass er in den vier Jahren des „außerparlamentarischen Bildungsurlaubs“ fast eintausend Reden auf Veranstaltungen gehalten hat – bei Mittelständlern, Verbänden und Vereinen. Die großen Kanäle und Plattformen waren ihm zunächst verschlossen. Seine Partei war abgemeldet, schrottreif. Am Tag ihrer schwersten Niederlage hatten die öffentlich-rechtlichen Anstalten die FDP vom Sender genommen, Spitzenkandidat Rainer Brüderle wurde noch vor Schließung der Wahllokale ausgeladen.

          Lindner und seine kleine Vorstandstruppe mussten also lostingeln wie ein Familienzirkus, um das neue Konzept, die neue Mannschaft zu präsentieren. Parteitage fanden in einer schmuddeligen Berliner Halle statt. Scheinbar cool, aber vor allem billig. Inzwischen hat Lindner die großen Bühnen und Fernsehstudios zurückerobert. Eben war er noch der kleine Handelsvertreter des Liberalismus, nun wird er allen Ernstes als künftiger Minister gehandelt. Die FDP könnte, je nach Wahlausgang, nicht nur in den Bundestag zurückkehren, sondern auch gleich ins Kabinett.

          Das würde Lindner gerne vermeiden. Immer schön langsam soll es gehen: erst zurück ins Parlament, später in eine Regierung. Aber der Bundestag ist keine Fahrschule. Seit der NRW-Wahl muss seine Partei sich darauf einstellen: Es kann sein, dass sie wieder ans Steuer müssen, regieren sollen.

          Welche Abgeordneten wären im Bundestag zu erwarten, etwa lauter Neulinge ohne Erfahrung? Nein, so wäre es nicht. Bei einem Ergebnis von um die neun Prozent käme die Partei auf etwa sechzig Sitze im Bundestag. Auch in anderen Fraktionen wechselt zu jeder Wahl ein Drittel der Abgeordneten. Sie gehen in den Ruhestand, zurück in den Beruf oder werden nicht wieder aufgestellt. Das ist parlamentarischer Alltag. Bei der FDP werden es ein paar mehr Neulinge sein. Aber auch einige Erfahrene. Sieht man sich die Landeslisten an, tauchen dort auf den vorderen Plätzen allerlei Namen auf, die man entweder aus den Landtagen kennt oder aber von früher im Bundestag. So kandidieren alleine fünf Fraktionsvorsitzende aus Landesparlamenten bei dieser Wahl, neben Lindner sind das Wolfgang Kubicki aus Kiel, Katja Suding aus Hamburg, der Fraktionschef in Hannover, Christian Dürr, und, mit weniger Wahlaussichten, Lencke Steiner aus Bremen.

          Wolfgang Kubicki ist einer der fünf Fraktionsvorsitzenden, die bei der Bundestagswahl für die FDP kandidieren.

          Sie alle haben Erfahrung, Kubicki beispielsweise macht seit bald vierzig Jahren Politik. Er ist ein versierter Jurist, der das Justizministerium übernehmen könnte. Dazu müsste Kubicki allerdings auf die anwaltliche Tätigkeit in seiner Wirtschafts- und Steuerkanzlei verzichten. Und er könnte weniger Motorboot fahren. Kubicki hat nach Jahren der innerparteilichen Opposition und Stänkerei gegen die jeweilige Parteispitze im Alter zur Loyalität gefunden. Er ist eine der Säulen des Wiederaufbaus und wäre neben Lindner der zweite versierte Rhetoriker seiner Fraktion. Das ist schon fast das Doppelte der derzeitigen SPD-Rednerbegabungen im Bundestag.

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