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Merkel oder Schulz? : Für den FDP-Chef ist die Wahl längst entschieden

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Ist sich sicher, dass Merkel Kanzlerin bleibt: FDP-Chef Christian Lindner Bild: dpa

Christian Lindner glaubt bereits zu wissen, wer in sieben Wochen die Bundestagswahl gewinnt. In einem Interview erklärt er, auf welchen Kampf sich die FDP deswegen konzentriert – und verteidigt zudem seine umstrittenen Äußerungen zur Krim.

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          FDP-Chef Christian Lindner hat den Kampf ums Kanzleramt schon sieben Wochen vor der Bundestagswahl für entschieden erklärt. „Das Rennen um Platz eins ist gelaufen, Angela Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben“, sagte Lindner der „Bild am Sonntag“ mit Blick auf die bereits seit zwölf Jahren laufende Amtszeit der CDU-Chefin. SPD-Kanzlerkandidat „Martin Schulz hält nur noch die Kulisse der Zuversicht aufrecht“, könne den in allen Umfragen ausgewiesenen Rückstand aber nicht mehr aufholen. Gewählt wird am 24. September.

          Unterstützt wird Lindners These vom Ergebnis der aktuellen Sonntagsfrage: Dort steht die SPD in der Wählergunst wie­der so schwach da wie beim Start von Mar­tin Schulz als Kanzlerkandidat. In der wöchentlichen Erhebung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Emnid fällt die Par­tei um einen Zäh­ler auf 23 Pro­zent. Die­sen Wert hatte sie zu­letzt Ende Ja­nu­ar er­reicht, kurz nach­dem Sig­mar Ga­bri­el er­klärt hatte, zu­guns­ten von Schulz auf die Kanz­ler­kan­di­da­tur zu ver­zich­ten. CDU/CSU kom­men da­ge­gen zum fünf­ten Mal in Folge auf 38 Pro­zent. Damit wächst der Abstand zwischen Union und SPD auf 15 Prozentpunkte. Dritt­stärks­te Kraft wäre der­zeit die Linke, sie ge­winnt einen Zäh­ler und kommt auf 10 Pro­zent. Da­ge­gen ver­liert die AfD leicht und er­reicht nur noch 8 Pro­zent. Grüne und FDP lie­gen wie in der Vor­wo­che bei 8 Pro­zent. Auf die sons­ti­gen Par­tei­en ent­fal­len 5 Pro­zent (Plus 1).

          „Die spannende Entscheidung ist der Platz drei. Daran zeigt sich, welche Botschaft von der Bundestagswahl ausgeht“, sagte Lindner der „Bild am Sonntag“. Im Wahlkampf will der FDP-Spitzenkandidat besonders die Grünen attackieren. „Für die Grünen sind alle, die ihre Meinungen nicht teilen, dumm, von gestern oder böse. Diese Überheblichkeit ist nicht nur nervtötend, sondern auch eine Gefahr für den Wohlstand, wenn Technologien zum Feindbild gemacht werden.“ Der FDP-Chef kün­dig­te an, sich im Wahl­kampf voll auf „diese Aus­ein­an­der­set­zung“ zu kon­zen­trie­ren. Be­son­ders die Grü­nen will er in den nächs­ten Wo­chen at­ta­ckie­ren. Lindner führt auch den größten FDP-Landesverband in Nordrhein-Westfalen und steht an der Spitze der Fraktion im Düsseldorfer Landtag.

          Lindner ver­tei­dig­te zugleich seine umstrittene Aus­sa­ge, dass man die von Russ­land an­nek­tier­te ukrai­ni­sche Halb­in­sel Krim als „dau­er­haf­tes Pro­vi­so­ri­um“ an­se­hen müsse. „In Wahr­heit habe ich aus­ge­spro­chen, was viele den­ken und was längst im Stil­len reale Po­li­tik ist. Im­mer­hin wird durch die Auf­re­gung jetzt über die Krim ge­spro­chen, nach­dem zu lange ge­schwie­gen wurde“, erklärte er. Die FDP re­la­ti­vie­re kein Stück ihre kri­ti­sche Po­si­ti­on. Das Wahl­pro­gramm sei ein­deu­tig, so Lind­ner: „Den­noch kann und soll­te man aus der Ge­schich­te ler­nen, wie sol­che Kon­flik­te ein­ge­fro­ren und dann Schritt für Schritt ge­löst wur­den.“

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