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FAZ.NET-Countdown : Wichtig und unwichtig

Reisewarnung für die ganze Welt? Türkischer Präsident Erdogan (Archivbild von 2014) Bild: dpa

Hurrikan Irma degradiert den Bundestagswahlkampf zum Nebenschauplatz. Und erst recht den türkischen Präsidenten, der vielleicht bald eine Reisewarnung für die ganze Welt ausgibt. Was man heute wissen muss, lesen Sie im FAZ.NET-Newsletter.

          3 Min.

          Selten hat die Welt so gebannt auf die Wettervorhersage geblickt wie in diesen Tagen. Wohin zieht „Irma“, dieser gigantische Hurrikan, auf seinem Weg als nächstes? Schon jetzt hat er eine Schneise der Zerstörung geschlagen, Florida befindet sich im Ausnahmezustand, weite Landstriche sind überschwemmt, Millionen Menschen auf der Flucht – ohne zu wissen, ob es das Zuhause, das sie eilig verlassen haben, noch geben wird, wenn sie zurückkehren. Welche Schäden Irma hinterlassen und wie viele Opfer der Hurrikan fordern wird, das ist noch überhaupt nicht abzusehen. Horst Rademacher beschreibt das „Monster“ Irma – und erklärt, warum es so unberechenbar ist.

          Oliver Georgi
          (oge.), Politik

          Angesichts dieses Dramas kommt einem der Bundestagswahlkampf gleich noch ein bisschen belangloser vor. Er ist bisher so öde, dass er selbst die Spitzenkandidaten wohlig zu betäuben scheint, das Duracell-Häschen Christian Lindner mal ausgenommen. Oder ändert sich das heute, wenn Angela Merkel bei einem „Townhall“-Meeting in Lübeck dem Wahlvolk Rede und Antwort steht? Nach zwölf Jahren Merkel und einem TV-Duell der größten gemeinsamen Koalition dürfte das kaum jemand glauben. 

          Überhaupt ist das Spannendste an dieser Wahl längst nicht mehr der 24. September, sondern es sind die Wochen und Monate danach, die nicht nur für die Sozialdemokraten zur Zeit der großen Umbrüche werden dürften. Oder wird noch jemand der Autosuggestion von Martin Schulz folgen, er wolle und werde als Parteivorsitzender mit großem Rückhalt weitermachen, wenn die Genossen bei der Wahl noch das grauenhafte Ergebnis von Frank-Walter Steinmeier 2009 unterbieten sollten? 

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          Aber auch die CDU wird nach dem Wahlsieg der Kanzlerin nur kurz berauscht vom Glück sein, bevor die Diadochenkämpfe um Merkels Nachfolge beginnen. Und ob die Kandidaten (oder die, die sich dafür halten) dann Spahn, von der Leyen, Kramp-Karrenbauer oder zu Guttenberg heißen: Der Union stehen mindestens so spannende Zeiten bevor wie der SPD. Günter Bannas beschreibt in seinem Text, welche Personalentscheidungen die Union zuerst in ihrer neuen Bundestagsfraktion fällen muss.

          Was sonst noch wichtig wird

          Doch kommen wir nun zu etwas völlig anderem – und damit ist ausnahmsweise nicht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gemeint, der ja heute vielleicht eine Reisewarnung für die gesamte Welt (außer Berlin-Kreuzberg) ausgibt, weil er selbst auf den Osterinseln „terroristische Umtriebe“ von Gülen-Anhängern befürchtet. Nein, viel wichtiger: es geht um die irische Butter. Die ist bei den Deutschen nämlich viel beliebter als die heimische aus Bayern oder Niedersachsen. Zwischen irische Kühe und den Durchschnittsdeutschen passt kein Blatt, wenn man so will. Klingt lustig, ist aber bierernst, vor allem für die Briten, denn das irische Rindvieh sorgt nicht nur für gute Butter in Deutschland, sondern auch für den Großteil der Cheddar-Versorgung in Großbritannien. 

          Nicht auszudenken, wie das lukullische britische Essen ohne den Scheibenkäse aus dem EU-Mitglied schmeckte, wenn nach dem Brexit eine EU-Außengrenze mitten durch Irland führt und die Iren ihren Käse lieber nach Sardinien schiffen als von Dublin nach Belfast!

          Vielleicht denken die Parlamentarier im britischen Unterhaus ja daran, die heute das EU-Recht für ungültig erklären und in britisches Recht überführen wollen. An das irische Rindvieh. Die Abstimmung wird heikel, Premierministerin Theresa May könnte eine empfindliche Schlappe erleiden, wenn das Gesetz scheitert. Mein Kollege Jochen Buchsteiner beschreibt, wie schwer sich aber auch die Brexit-Gegner damit tun, eine gemeinsame Linie zu finden.

          Überhaupt dürfte eine rasche Einigung beim Brexit in etwa so wahrscheinlich sein wie dass die neuen Sanktionen gegen Nordkorea, die heute im UN-Sicherheitsrat beraten werden, den Diktator in Pjöngjang zur Besinnung bringen. In einem anderen Land, in Norwegen nämlich, wo heute ein neues Parlament gewählt wird, ist man in puncto Besinnung hingegen längst viel weiter. Dort stellt auch niemand die Verbundenheit mit der EU in Frage. Ein enges Rennen zwischen den beiden großen Parteien dürfte es trotzdem werden.

          Was man lesen sollte

          Als Martin Schulz Kanzlerkandidat wurde, kannte die Euphorie bei den Genossen kein Halten. Was sie jetzt sagen, da ihr einstiger Hoffnungsträger kaum noch Hoffnung hat, haben meine Kollegen Philip Eppelsheim und Mona Jaeger lesenswert aufgeschrieben.

          Wer die Frage zum Holocaust-Gedenken im „Wahl-O-Mat“ komisch findet, sollte unterdessen lesen, was Friederike Haupt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschrieben hat. Sie sagt: Die Frage steht da richtig.

          Und wem danach der Sinn nach leichterer Muse steht, könnte bei Jörg Thomann Entspannung finden, der die wegweisenden Debatten in der Regenbogenpresse wie immer messerscharf analysiert. Dieses Mal: Warum Kim Kardashian ihre vierjährige Tochter Interviews geben lässt und ihre Leihmutter mies bezahlt. Die Erfahrungen im Promi-Hause Kardashian sind womöglich aber unbezahlbar.

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