https://www.faz.net/-gpf-91x07

Fake News im Wahlkampf : Erfundene Geschichten spielen (noch) keine Rolle

„Artikel 38“ zeige in Echtzeit, wie russische Sympathisanten rechtspopulistische Stimmungen verstärken, erklärt Bret Schafer, Mitarbeiter der „Alliance For Securing Democracy“. Entsprechend negativ seien die Reaktionen von RT und Sputnik gewesen, als das Projekt auch für die Vereinigten Staaten gestartet wurde. Ein Blick in das Tool zeigt, warum: In den Tweets von Nutzern, die Sputnik folgen, tauchen die Schlagworte „AfD“, „traudichdeutschland“ – ein Wahlslogan der AfD – oder „Schicksalswahl“ – ein Begriff der vor allem von AfD-Sympathisanten genutzt wird – sehr oft auf. Auch die Links auf Seiten wie „Philosophia Perennis“, „PI-News“ oder „Journalistenwatch“ zeigen die rechtspopulistische Gesinnung der Schreiber. Schafer sagt, das Projekt solle nicht nur zeigen, dass Russland versuche, aktuelle Wahlen zu beeinflussen, sondern dass dies schon seit längerem geschehe und sich auch noch weiter fortsetzen werde – vor allem mit dem Ziel, Gesellschaften zu spalten.

Es kann noch etwas geben

Eine Institution, die sich mit der Beobachtung von „Fake News“ russischer Herkunft beschäftigt, ist die East StratCom Task Force. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgruppe der EU, die im Auswärtigen Dienst der Union angesiedelt ist. Die Fachleute beobachten von Brüssel aus die Verbreitung russischer Propaganda in ganz Europa. Jede Woche verschicken sie ihre „Disinformation Review“, die wegen der haarsträubenden Geschichten, die sie zutage fördert, oft für Erheiterung sorgt. Demnach wird in russischen Medien behauptet, die deutsche Regierung nehme Eltern ihre Kinder weg, um sie homosexuellen Paaren zu übergeben. Solche Erzählungen finden dann auch ihren Weg in kremlfreundliche Medien anderer Länder.

Dass es bislang noch keine Angriffe durch Fake News oder Cyberangriffe auf die Bundestagswahl gegeben hat, heiße nicht, dass nicht noch ein Angriff bevorstehe, sagt auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU). In der Tat ist es in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl immer noch möglich, Informationen zu streuen, die bei einem Cyberangriff auf den Bundestag im Mai 2015 erbeutet wurden.

Auch am Wahltag selbst könnte es noch Versuche geben, die Wahl zu stören. So tauchten im Internet Meldungen auf, die Wahllokale hätten bis 20 Uhr geöffnet, man könne also auch nach 18 Uhr dort hingehen. In anderen hieß es gar, die Wahl sei verschoben worden. Bundeswahlleiter Dieter Sarreither zeigt sich denn auch auf solche Eventualitäten vorbereitet. Man werde besonders auf Twitter solchen Falschnachrichten widersprechen, sagte er in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur. Vielleicht warten die Angreifer aber auch noch. Immerhin gibt es nach der Wahl noch Koalitionsverhandlungen, deren Beeinflussung sich ebenfalls lohnen könnte.

News per Whatsapp, Telegram und Messenger
News per Whatsapp, Telegram und Messenger

Ab sofort versorgen wir Sie über Ihren Lieblingsdienst mit den Themen des Tages.

Jetzt anmelden

Weitere Themen

Im Namen des Volkes

Die Wiederkehr des Populismus : Im Namen des Volkes

In jüngster Zeit ist ein Politikertypus in den Parlamenten erschienen, der eigentlich als ausgestorben galt: der Populist. Über die Ursachen gibt es viele Theorien – eine überzeugt mehr als die anderen.

Topmeldungen

Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Mike Pence, wird nicht beim Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump kooperieren.

Trump-Impeachment : Giuliani und Pence verweigern Kooperation

Die beiden Vertrauten von Präsident Trump sehen sich durch die Verfassung geschützt und lassen eine Frist zur Vorlage von Dokumenten in der Ukraine-Affäre verstreichen. Den Amtsenthebungsprozess betrachtet Giulianis Anwalt als eine „verfassungswidrige, grundlose und illegitime Untersuchung“.
Turki Al Sheikh fordert Leistung, sonst drohen Konsequenzen.

Sportunternehmer : Der Fußballinvestor der Scheichs

Turki Al Sheikh gilt als enger Vertrauter des saudischen Kronprinzen. In Ägypten setzte er mit dem FC Pyramids viel Geld in den Sand. Sein neues Projekt weckt mehr Hoffnung.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.