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Wahlkampf : Wie die Parteien die private Geldanlage gestalten wollen

Die Börse in Frankfurt Bild: dpa

Die private Geldanlage spielt in den Wahlprogrammen eine untergeordnete Rolle. Vor allem die Parteien links der Mitte fremdeln mit dem Finanzmarkt und seinen Chancen. Privatanleger müssen sich auf mehr Regularien einstellen.

          Die Deutschen sind nicht eben ein Volk von Geldanlegern. Auch wenn die grundsätzliche Einsicht in die Notwendigkeit oft vorhanden ist, sind die Hemmungen groß, besonders wenn es um Wertpapiere geht. Egal, was Statistiken über die Vorteilhaftigkeit etwa der Aktienanlage sagen, die Furcht vor Verlusten und auch davor, über den Löffel barbiert zu werden, ist groß.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein Wunder also, dass die private Geldanlage in Wahlprogrammen eine untergeordnete Rolle spielt, wenn überhaupt. So etwa bei der AfD, deren Wahlprogramm sich dazu wenig entnehmen lässt - abgesehen von allgemeinen Aussagen etwa zur Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die abgelehnt wird. Die Partei ließ auch die zweimalige Bitte um Beantwortung einiger Fragen ohne Antwort verstreichen, ebenso wie die FDP.

          Diese allerdings nimmt zu diesen Fragen in ihrem Wahlprogramm so dezidiert Stellung wie auf ihre Weise sonst nur noch die Linke. Drei Themenkomplexe sind es, bei denen die private Geldanlage eine Rolle spielt: Altersvorsorge, Anlegerschutz und Besteuerung. Schon die Antworten der vier im Bundestag vertreten Parteien zeigen deutlich, dass private Geldanlage stets im Zusammenhang mit der privaten Altersvorsorge verstanden wird. Das ist insofern verständlich als dies ein Hauptmotiv darstellt. Es zeigt aber auch, dass der Wunsch, Geld anzulegen und zu vermehren jenseits dessen wenig beachtet wird.

          Linke will Rentenprivatisierung zurücknehmen

          Im Gegenteil heißt es von der Linken auf Anfrage, dass „eine noch so gute, umfassende Grundbildung nicht davor schützen (wird), dass die Geldanlage hoch spekulativ bleiben wird und ein Verlust des Vermögens immer drohen kann.“ Geldanlage ist also weniger eine Chance als eine Gefahr.

          Auch ansonsten bleibt sich die Linke in ihrer Stellungnahme treu: Die Entscheidung, die Rentenlücke durch private Vorsorge zu stopfen, sei ein fataler Fehler gewesen, sinnvolle und stabile Alterssicherung lasse sich für die Mehrheit nicht über den Finanzmarkt organisieren. Natürlich dürfe jeder, der wolle und könne, zusätzlich privat vorsorgen. Aber die Rentenprivatisierungen will man zurücknehmen und „die Mittel der Spekulation entziehen“. Derivate, Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften will man auflösen und die Spekulation mit Agrarrohstoffen und  Nahrungsmitteln verbieten. Und eines will man ganz bestimmt nicht: Die private Aktienanlage fördern. In der Altersvorsorge setzt man dagegen ausschließlich auf die gesetzliche Rentenversicherung.

          Mit Ausnahme der FDP betonen auch alle anderen Parteien, dass die gesetzliche Rente die zentrale Säule der Altersvorsorge bleiben werde. Dabei zeichnen sich - vielleicht wenig überraschend - zwei Lager ab, einerseits Union und FDP und andererseits SPD und Grüne. Innerhalb der Lager sind die Unterschiede weit weniger ausgeprägt.

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