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Personalroulette bei der CSU : Seehofers Griff nach dem Geschichtsbuch

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Das Glück, Horst Seehofer zu sein: der bayerische Ministerpräsident bei einer Kabinettssitzung im oberfränkischen Kulmbach Bild: dpa

Kurz vor der Bundestagswahl lässt Horst Seehofer die CSU erzittern. Der Parteichef kündigt eine „große Kabinettsumbildung“ an – auch um seine möglichen Nachfolger zu schwächen.

          Horst Seehofer hat seine Partei in die Sommerpause mit reichlich Material für das beliebte Ratespiel „Wer wird was?“ entlassen. Er ist ein Meister im Schüren von Spekulationen in eigener und fremder Sache: Zuerst ließ er wissen, er werde nach der Bundestagswahl, sollte Joachim Herrmann, der Spitzenkandidat der CSU, nach Berlin wechseln, eine „große Kabinettsumbildung“ in Bayern vornehmen. Als unter den CSU-Kadern erwartungsgemäß das große Zähneklappern einsetzte, erhöhte Seehofer die Dosis: Es werde in jedem Fall Veränderungen im Kabinett geben, gleichgültig, wo Herrmann, der bislang bayerischer Innenminister ist, seinen Platz finde.

          Wie es sich für die letzte große Volkspartei in Europa gehört, ist die Liste möglicher Aufsteiger – und Absteiger – lang: Sie reicht von A (Aigner, Ilse, Wirtschaftsministerin) bis Z (Zellmeier, Josef, stellvertretender Fraktionsvorsitzender). Finanzminister Markus Söder, der sich auf dem Sprung nach ganz oben wähnte, bevor Seehofer seine Lebensarbeitszeit verlängerte, ist nur noch ein Name unter vielen – allein deshalb schon dürfte Seehofer den politischen Sommer in vollen Zügen genießen. Sogar über einen Wechsel Söders vom Finanz- ins Innenressort wird spekuliert – als weitere Ausbildungsstation in der mittlerweile stattlichen Bildungsbiographie des Franken.

          Seehofer hat gegenwärtig eine fast uneingeschränkte Macht in der CSU – dazu gehört auch die Definitionsmacht, was unter einer „großen“ Kabinettsumbildung zu verstehen ist. Eine numerische Deutung liegt nahe: Mit siebzehn Ministern und Staatssekretären, die seinem Kabinett angehören, wäre es nicht allzu schwierig, einige langgediente Mitstreiter durch neue Gesichter zu ersetzen – unter Beachtung des Regionen- und Geschlechterproporzes, der in der CSU immer noch als Naturgesetz gilt.

          Mit Thomas Kreuzer, dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Landtag, stünde ein Mann für das Innenressort bereit, der Recht und Ordnung nicht anders buchstabiert als Herrmann. Noch eine Teilung des Kultusministeriums in ein Schul- und ein Wissenschaftsministerium, um den sperrigen Kultusminister Ludwig Spaenle einzuhegen – und schon wäre die „große“ Kabinettsumbildung fertig.

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          Besonders anregend wird der Reigen der Spekulationen, weil nicht nur Ämter in München, sondern auch in Berlin in den Blick genommen werden können – für den Fall, dass die CSU wieder an der Bundesregierung beteiligt ist, was in der Partei allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz, zunächst hätten die Wähler das Wort, für so sicher wie der nächste Schneefall auf der Zugspitze gehalten wird.

          Herrliche Spielzüge lassen sich entwerfen: mit Herrmann, der von München nach Berlin geht und als Bundesinnenminister in ein viertes Kabinett Merkel eintritt; mit Alexander Dobrindt, der das Bundesverkehrsministerium und alle Dieselkalamitäten hinter sich lässt und an die Spitze der CSU-Landesgruppe im Bundestag rückt; mit Andreas Scheuer, der Seehofer weiter dienen darf, zwar nicht mehr als CSU-Generalsekretär, sondern als Statthalter in Berlin in welcher Position auch immer.

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