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FDP : Lindners mitfühlender Darwinismus

Er dürfte am Wochenende der neue FDP-Vorsitzende werden. Christian Lindner, aufgenommen Anfang Oktober in Berlin Bild: dpa

Die Liberalen bleiben sich nach dem Abschied aus dem Bundestag treu: Die inneren Konflikte haben an Härte nichts eingebüßt. Der Parteitag am Wochenende kann beginnen. Am Samstag aber reden erstmal nur Verlierer.

          Die FDP tritt nach wochenlangem Schattendasein am kommenden Samstag wieder einmal in das Licht der Öffentlichkeit. Bei einem außerordentlichen Parteitag soll am zweiten Advent in Berlin eine neue Führung gewählt werden. Der bekannteste der drei Kandidaten für die Parteispitze ist Christian Lindner. Der Vorsitzende der FDP in Nordrhein-Westfalen versendet seit einigen Wochen Aufbruchssignale, versucht personalisierte Fehlerdebatten einzuhegen und ist bemüht, eine Art von Mannschaft zusammenzustellen, mit der die FDP in den kommenden Jahren den Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag vorbereiten will.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Wegen all dieser internen Bemühungen hat die Partei weitgehend davon abgesehen, sich während der Berliner Koalitionsverhandlungen mit sachpolitischen Äußerungen zu Wort zu melden. Man konnte das Innehalten aber auch als angemessene Reaktion auf den zumindest einstweiligen Rauswurf der FDP aus dem Bundestag begreifen.

          Keine Ende der nervtötenden Grabenkämpfe

          Als Lindner allerdings in dieser Woche öffentlich behauptete, „die wahre Opposition sind ja jetzt wir“, wunderte man sich doch über den offenbar weiter wachsenden Spalt zwischen Innensicht und öffentlichem Ansehen. Denn Meinungsumfragen sehen die FDP derzeit eher unter- als oberhalb ihres Bundestagswahlergebnisses von 4,9 Prozent.

          Sofern mit der Abwahl der FDP aus dem Bundestag eine Hoffnung verbunden wurde, die Partei werde nach diesem Schlag ihre nervtötenden Grabenkämpfe aufgeben, sieht man sich getäuscht. Es begann schon damit, dass die bisherige Parteiführung nicht zurücktrat, sondern lediglich in Aussicht stellte, demnächst nicht wieder zu kandidieren. Das sicherte insbesondere dem amtierenden Parteivorsitzenden Philipp Rösler (der auch noch amtierender Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland ist) Mitspracherechte bei den Entscheidungen für die Zukunft der FDP.

          Hintergrundgespräche in Lokalen unter der S-Bahn

          Lindner, der als Röslers Stellvertreter im Falle von dessen Rücktritt sofort die Geschäfte hätte übernehmen dürfen, umschleicht seither die Parteizentrale der FDP. Hintergrundgespräche des Kandidaten finden in Berliner Lokalen unter der S-Bahn statt, nicht im Hauptquartier der FDP. Das erschwert auch die Lage des amtierenden Generalsekretärs Patrick Döring, der die undankbare Aufgabe hatte, das Thomas-Dehler-Haus insbesondere durch Entlassungen auf seine bescheidenere Zukunft vorzubereiten. Philipp Rösler, der immerhin und anders als der weltreisende geschäftsführende Außenminister Westerwelle nicht öffentlich so tut, als habe er noch politische Bedeutung, beansprucht auf dem Parteitag am kommenden Wochenende Zeit für eine ausführliche Rechtfertigungs- und Abschiedsrede. Fast den ganzen Samstag verplant die Partei auf Abschiede, Bilanzen und Aussprachen, ehe es dann endlich darangeht, die personelle und politische Zukunft zu besprechen. Den ganzen Vormittag über reden nur Verlierer: Döring, der Berliner Martin Linder, Rösler.

          Intensiv hat Christian Lindner sich in den vergangenen Wochen darum bemüht, ein Führungsteam zusammenzustellen und die Partei auf einen Kurs zu verpflichten, der beinhaltet: inhaltlich bei der Sache bleiben - im Auftreten aber freundlicher und wärmer werden. Das Ergebnis: Streit, Kampfkandidaturen, giftige Interviews. Nach dem Überraschungserfolg eines weithin unbekannten Parteimitgliedes in Bayern, wo statt des abgesprochenen Kandidaten Thomas Hacker der Münchner Albert Duin gewählt wurde, wird auch für den Bundesparteitag nichts mehr für unmöglich gehalten. Gegen Lindner kandidiert der Berliner Physiker Götz Galuba, der bis vor kurzem Schatzmeister der FDP in Hermsdorf-Tegel war. Antreten will wohl auch Jörg Behlen, Kreisvorsitzender von Marburg-Biedenkopf.

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