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Die Linke im Wahlkampf : Kein Rezept gegen die AfD

Wie viel Opposition ist möglich, wenn man mitregiert? Die Linke bei einer Wahlkampfaktion in Brandenburg, in der Mitte Spitzenkandidatin Kirsten Tackmann Bild: ZB

Die Linke hat ein strategisches Problem: In manchen Regionen Deutschlands tritt sie als Volkspartei an – und versinkt dabei im politischen Establishment. Besonders deutlich wird das in ihren brandenburgischen Hochburgen.

          Mit den Parteihochburgen ist das ja so eine Sache: Einerseits stehen die Chancen auf ein gutes Ergebnis bei der kommenden Bundestagswahl naturgemäß vortrefflich, andererseits ist viel zu verlieren, zumal eine Partei in ihrer politischen Hochburg keinen glaubwürdigen Oppositions- oder gar Protestwahlkampf führen kann. Zu lange ist oder war sie an der Macht, um sagen zu können, wir machen alles besser. Die SPD in Nordrhein-Westfalen kann davon ein für sie trauriges Lied singen, aber auch die Linke – zum Beispiel in Brandenburg.

          Bernau und Strausberg im brandenburgischen Bundestagswahlkreis Märkisch-Oderland/Barnim II sind solche Hochburgen der Linken. Eigentlich. Denn bei der letzten Bundestagswahl 2013 stürzte die Partei mit ihrem halbwegs prominenten Aushängeschild Dagmar Enkelmann auf etwas mehr als 26 Prozent bei den Zweitstimmen ab, nachdem sie vier Jahre zuvor noch knappe 34 Prozent eingefahren hatte. Auch die Erststimmen reichten nicht, das Direktmandat futsch, heute sitzt der CDU-Mann Hans-Georg von der Marwitz für den Wahlkreis im Bundestag, ein „Westimport“ aus Bayern. Enkelmann tritt in diesem Jahr nicht mehr an, die Schmach der vergangenen Wahl soll nun die in Weimar geborene Kerstin Kühn ausbügeln.

          Nur noch wenige Tage bis zum Wahlsonntag. Kühn, 54-jährige Anwältin, seit 1982 Mitglied der Partei, die früher SED hieß, steht an einem Wahlkampfstand der Linken auf dem Bahnhofsvorplatz in Bernau und fängt einzelne Menschen ab, die aus dem Bahnhofsgebäude kommen oder zum Zug eilen. Darunter etliche Berlin-Pendler, denn das beschauliche 37.000-Einwohner-Städtchen Bernau schmiegt sich an die Außenbezirke der Hauptstadt und bietet noch vergleichsweise bezahlbaren Wohnraum bei guter Nahverkehrsanbindung, mit Flair aus Fachwerk und Plattenbau, aus Historie mit Stadtmauer und DDR-Gewerkschaftsvergangenheit.

          Am Wahlkampfstand in Bernau: Direktkandidatin Kerstin Kühn (im Hintergrund) und Lutz Kupitz im Gespräch mit einer Bürgerin

          In Bernau ist die Linke Volkspartei. Sie stellt mit elf Sitzen die größte Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und regiert im Rathaus – Bürgermeister André Stahl ist ein Linker. Und in Brandenburg selbst regiert die Partei als Juniorpartnerin in einer Koalition mit der SPD, mehr politisches Establishment geht nicht. Für Kühn eine leichte und schwierige Aufgabe zugleich, sie muss traditionelle Linke-Wähler bei der Stange halten und mobilisieren und Wechselwähler, die in diesem Jahr die AfD wählen könnten, binden. Mit reinen Oppositionsslogans kommt sie da nicht weiter. Aber womit dann?

          Kühn drückt einer älteren Frau den Flyer in die Hand: „Soziale Gerechtigkeit und Frieden sind machbar“, das Programm der Linken. „Das ist doch ein Gummi-Thema“, sagt die Frau, ihr sei „soziale Gerechtigkeit“ zu schwammig. Was die Linke denn konkret dafür tue, dass sie abschlagsfrei in Rente gehen könne? Und überhaupt, was solle dieser Unsinn mit der Rente mit 67 oder sogar 70? Kühn erklärt, was ihre Partei vorhat, und Martin Günther, ein Linke-Politiker aus Bernau, sekundiert, er geht ins Detail. Kühn lächelt, sie weiß, die Wahl entscheidet auch für sich, wer den Wählern sympathisch ist. „Ich will nicht nur sagen, was alles schlecht ist“, sagt sie. Miesepetrig war gestern, sie plaudert mit zwei jungen Frauen, schaut in deren Kinderwagen, lacht. Sie lacht viel.

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