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Grüne und FDP : Scheinriesen unter Druck

Hat für sich schon einen Posten gefunden: Robert Habeck Bild: Reuters

Sie tanzte nur einen Sommer. Und schon muss Baerbock dem künftigen Vizekanzler Habeck weichen. Für die Enttäuschung der eigenen Erwartungen zahlt Baerbock jetzt den Preis.

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          Sie tanzte nur einen Sommer. Und schon muss Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dem künftigen Vizekanzler Robert Habeck weichen. Doch noch ist der Bär nicht erlegt, auch wenn insbesondere Grüne und FDP schon das Fell verteilen. Mit dem „Regierungsauftrag“ ist es in der Tat nicht ganz einfach. Der Wähler erteilt keine Aufträge, sondern er wählt. Das hat er getan. Was nun kommt, liegt nicht mehr in seiner Hand. Was immer man aus dem Wahlergebnis herauslesen will – weder ergibt sich daraus eine Reihenfolge für Sondierungen noch eine natürliche Koalition eines Neustarts.

          Da die beiden Hauptsieger, mit freilich auch nur je etwa einem Viertel der Stimmen, ihr Bündnis erklärtermaßen nicht fortsetzen wollen, erscheinen die Kleinen, die so klein nicht mehr sind, jetzt ganz groß. So meint Habeck, es gebe eine gewisse Logik, zuerst mit SPD und FDP über eine Koalition zu reden; was aber nicht heiße, dass man nicht auch mit der Union sprechen werde – sagt der, dessen Grüne nicht einmal 15 Prozent errungen haben.

          Für diese Enttäuschung der eigenen Erwartungen zahlt Baerbock jetzt den Preis (auch wenn die Vereinbarung dazu schon älter ist), und Habeck kommt seinem alten Traum näher. Die FDP ist nominell noch kleiner, stand aber anders als die Grünen noch nie auch nur annähernd in Umfragen bei knapp 30 Prozent. Beide bisherigen Oppositionsparteien sind also nur Scheinriesen – und haben etwas zu verlieren. Sie wollen für Aufbruch stehen und brauchen doch nach ihrer bisherigen Lesart je einen verbrauchten und einen abgedrehten Partner dazu. Daraus soll ein Bündnis mit „eigener Identität“ (Habeck) werden. Dazu müssen beide springen. Das setzt sie unter einen gewissen Druck: aufrecht in die Opposition? Das wollen ihre Anhänger sicher nicht hören.

          Hinzu kommt: Ampel oder Jamaika – das sind die wahrscheinlichen, aber nicht die einzigen Optionen. Staatsmann Habeck hält zwar eine Große Koalition für nahezu ausgeschlossen, aber nicht, ohne hinzuzufügen, dass sich dazu alle anderen Parteien schon überaus dumm anstellen müssten. Ausgeschlossen ist auch das nicht.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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