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Die FDP ist wieder da : Mit absolut reinem Gewissen

  • -Aktualisiert am

Die FDP-Spitzenleute können wieder strahlen Bild: Ivan Steiger

In den Umfragen liegt die FDP wieder über fünf Prozent - und die Parteiführung registriert mit Befriedigung Berichte über Leute, die sich ohne Scham als Anhänger der Partei zu erkennen geben.

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          Patrick Döring, der Generalsekretär der FDP, scheint von Grund her ein optimistischer Mensch zu sein. Pralle Lebensfreude ist ihm anzusehen. Er erfüllt die Grundvoraussetzung für einen Partei-Sekretär, die Leute von guten Aussichten - seiner Partei - zu überzeugen. Er mäkelt nicht. Im Schlechten sieht er noch das Gute. Hätte er Jura (und nicht Wirtschaftswissenschaften) studiert, wäre er wohl Anwalt geworden. Wird er mit Sachverhalten konfrontiert, die seinem politischen Lebensgefühl widersprechen, sagt er: „Was muss ich da wieder lesen.“ Döring kommt aus Hannover. Detlef Kleinert, in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts maßgeblicher Rechtspolitiker der FDP-Bundestagsfraktion, kommt auch aus Hannover. „Was muss ich da wieder lesen“, war so etwas wie seine Eröffnungsformel für Gespräche. Kleinert war Dörings Mentor.

          In diesen Tagen strahlt Döring noch mehr. Die Umfragen für die FDP, scheint es, könnten aus seiner Sicht nicht besser sein: Deutlich über fünf Prozent - gerade so viel, dass die bürgerlichen CDU-FDP-Wechselwähler nicht aus Sorge CDU wählen, weil eine Stimme für eine FDP, die unter fünf Prozent bleibt, verloren wäre. Deutlich über fünf Prozent - aber wiederum auch nicht so deutlich, dass diese Wählergruppe aus Gewissheit CDU wählt, weil es die FDP sowieso in den Bundestag schafft.

          Schon vor Monaten, als der kleine Koalitionspartner in den Umfragen noch bei vier Prozent hing, gaben sich die Führungsleute in der Union zwar sicher, die FDP werde die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Dass viele Unions-Politiker bis in den vergangenen Januar hinein an den politischen Qualitäten Philipp Röslers, des FDP-Vorsitzenden, zweifelten, gehört aber der Vergangenheit an. Damals wurde eine Bemerkung Dörings an Rösler aufgeschrieben: „Du bist Vizekanzler der größten Industrienation Europas. Du bist der Vorsitzende einer mittelgroßen deutschen Partei in Regierungsverantwortung. Benimm dich entsprechend.“ Nun freilich scheint Angela Merkel Röslers Stehvermögen zu schätzen.

          Kleine Gesten erhalten die Freundschaft

          Gerne hat es die FDP vernommen, dass im Wahlprogramm der Unions-Parteien Stellen enthalten sind, die im Wahlkampf als durch und durch „sozialdemokratisch“ gebrandmarkt werden können: Mindestlohn, Mietpreisbremse. Zwar sollen nach dem Kleingedruckten des CDU/CSU-Programms auch hier marktwirtschaftliche Grundsätze erhalten bleiben. Doch kommt es beiden Koalitionspartnern zupass, dass es eben Schlagzeilen und Überschriften sind, die die Welt bewegen. Die Union könnte davon profitieren, weil sie im Wählermilieu der SPD wildern könnte. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wurde mit einer Analyse vernommen, wonach es sich 30 Prozent der SPD-Anhänger vorstellen könnten, CDU zu wählen, was wiederum nur zehn Prozent der Grünen-Anhänger von sich sagten. Warum also es nicht versuchen - mit Mindestlohn und Mietpreisbindung?

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