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Schädliche Briefwahl : Warum alle Deutschen am selben Tag wählen sollten

  • -Aktualisiert am

Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Bad Homburg packt Anfang September Briefe mit dem Stimmzettel für die Bundestagswahl. Bild: Lucas Bäuml

Wenn Millionen Menschen gemeinsam etwas entscheiden wollen, ist es ein großer Unterschied, ob die einen schon fertig sind, wenn die anderen noch nachdenken.

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          Wenn fast die Hälfte aller Wähler ihre Stimme per Brief abgeben, kann von einem Wahltag eigentlich keine Rede mehr sein. Es sind Wahlwochen. Viele Menschen finden das ungeheuer praktisch, und manche sagen sogar, es erhöhe die Wahlbeteiligung. Schließlich ist es für die Vielbeschäftigten der Republik schwieriger, an einem bestimmten Tag im Wahllokal zu erscheinen, als binnen sechs Wochen einen bunten Wahlumschlag zur Post zu bringen, auf den nicht einmal eine Briefmarke geklebt werden muss. Das ist aber nur eine These, die niedrigste Wahlbeteiligung aller Zeiten gab es 2009 kurz nach Einführung der Briefwahl für alle. Wenn die Wahlbeteiligung stiege, täte sie das nicht unter den Anhängern aller Parteien gleichermaßen. Die Briefwahl stärkt eher Union, FDP und Grüne, denn Briefwähler wählen öfter diese Parteien als andere, und sie schadet SPD, Linken und besonders der AfD. Im Großen und Ganzen sind diese Abweichungen aber gering, sie sind kaum ein Argument gegen die Briefwahl.

          Beim Wahlgeheimnis ist das schon anders. Das wurde in den vergangenen Wochen wohl hunderttausendfach verletzt, ganz beiläufig, als die Wahlunterlagen auf dem Wohnzimmertisch lagen. Wer im Wahllokal wählt, kann von Verwandten oder Partnern nur neckisch gefragt werden, ob er „richtig“ gewählt habe. Mehr Inquisition geht nicht. Bei der Briefwahl ist das anders, sie ist geradezu eine Einladung, die Freiheit der Wahl zu unterlaufen. Und natürlich gab es schon Fälle, in denen Briefwahlstimmen gefälscht wurden, das waren zwar Einzelfälle, aber sie zeigen das prinzipielle Problem.

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