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Die AfD und ihre Anhänger : Professoren und Protestwähler

  • -Aktualisiert am

Bild: DPA; F.A.Z.

Die AfD hat es geschafft, auch Protestwähler an sich zu binden. Den größten Zuspruch hat die Partei von Arbeitern erfahren.

          Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) weiß seit dem 22. September, wen sie anspricht. Daraus kann sie jetzt Schlüsse für die anstehenden Europawahlen sowie die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg ziehen. Außerdem kann die AfD nun die Daten zur sozialen Herkunft ihrer Wähler nutzen, um ein Parteiprogramm zu formulieren. Ausgehend von einer kleinen engagierten Kernwählerschaft hat sie es auch vermocht, Protestwähler an sich zu binden. Und entgegen der Annahme, die aus einer eurokritischen Professorenvereinigung hervorgegangene Partei werde vor allem Akademiker an die Wahlurne locken, kommen die mehr als zwei Millionen Wähler aus allen Bevölkerungsschichten.

          Den größten Zuspruch hat die Partei von Arbeitern erfahren. Die Wähler waren, ähnlich wie jene der Piratenpartei, vor allem Männer. Eine weitere Gemeinsamkeit mit der Piratenpartei besteht darin, dass die AfD in allen politischen Lagern Zustimmung fand. 430.000 ehemaligen FDP-Wählern folgen an zweiter Stelle 340.000 enttäuschte Linkspartei-Wähler, auch 210.000 vormalige Nicht-Wähler konnte die Partei mobilisieren. Nicht umsonst betont Parteichef Bernd Lucke seit der Parteigründung immer wieder, dass die AfD nicht konservativ sei, sondern aus der Mitte der Gesellschaft komme und nach unideologischen Lösungen suche.

          Wahlabend: AfD-Mitglieder am Sonntag in Berlin

          Lucke steht für jene Parteiströmung aus Professoren, die vor allem mit Zahlen argumentiert. Die zweite wichtige Strömung besteht aus Konservativen wie Konrad Adam oder Alexander Gauland, die sich für den Schutz von Ehe und Familie einsetzen und sich vor allem in der Familien- und Bildungspolitik engagieren. Entscheidend war bei der Bundestagswahl aber die dritte Strömung, die Protestwähler. Sechs von zehn Wählern haben angegeben, die AfD nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung über die anderen Parteien gewählt zu haben. Besonders gut angekommen ist die Partei in Ostdeutschland, in Bundesländern, in denen vormals rechtsradikale Parteien sehr gute Ergebnisse erzielten.

          Infolgedessen stellt sie sich nun zweigleisig auf: Einerseits gibt es von Berlin aus koordinierte Bundesfachauschüsse. Den bereits vorhandenen dreien zu den Themen Energie, Gesundheit und Verteidigung soll als nächstes ein Ausschuss für Außenpolitik folgen, was im Zusammenhang mit den Europawahlen steht. Andererseits wird die Arbeit in Landesgruppen fortgesetzt. Die daraus entstehenden Ergebnisse sollen aber laut Adam, einem der drei Parteivorsitzenden, „knapp und thesenartig sein, die Programmarbeit darf nicht entgleisen“. Damit die Partei mit ihren derzeit etwa 17.000 Mitgliedern und Förderern steuerbar bleibt, wird es im Gegensatz zum Gründungsparteitag, wo jedes Mitglied stimmberechtigt war, beim nächsten Parteitag im Dezember oder Januar wohl ein Delegiertensystem geben.

          Dass die AfD Überschneidungen mit der Linkspartei hat, betonen ihre Vertreter nicht nur gerne, um ihr Stimmen abspenstig zu machen, sondern auch, weil es als Argument gegen den Vorwurf dienen kann, rechtspopulistisch zu sein. Beatrix von Storch, auf Platz zwei der Berliner Landesliste und für manche Konservative mit ihrem Verein „Zivile Koalition“ eine wichtige Figur, sagt, die AfD habe mit der Linkspartei gemeinsam, dass sie in Bezug auf die Euro-Rettungspolitik gegen die von der Regierung betriebene Umverteilung von unten nach oben sei. Auch der Wunsch nach direkter Demokratie und die damit verbundene Kritik am Europaparlament sei eine Gemeinsamkeit mit der Linkspartei.

          In der Bildungs- und Familienpolitik fordert die AfD den Ausbau des Ehegattensplittings zu einem Familiensplitting, solange Kinder zu versorgen sind. Das Leitbild einer Familie aus Vater, Mutter und Kind wird beschworen, von Gleichstellung von Partnerschaften außerhalb dieser traditionellen Ehe möchte man in der Partei nichts wissen. Ein letzter wichtiger Punkt, der für enttäuschte Liberale interessant ist, ist die Forderung nach einem schlankeren Staat, verbunden mit einer Vereinfachung des Steuerrechts im Sinne Paul Kirchhofs.

          Für die Protestwähler aus den neuen, von hohen Arbeitslosenquoten geplagten Bundesländer dürfte bei den anstehenden Landtagswahlen von Interesse sein, dass die AfD sich mit der Forderung profiliert, es dürfe keine Zuwanderung in die Sozialsysteme geben. Mit ihrer Kritik am Erneuerbare-Energien-Gesetz verbindet sie die Forderung nach niedrigeren Strompreisen.

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