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Deutschland vor der Wahl : Klartext im Schwimmbad

„Alle wussten Bescheid, aber keiner hat was gewusst“: Badebetrieb in Offenbach Bild: Maria Klenner

Migranten, Rentner, Kinder, Leistungssportler: Sobald es heiß wird, treffen im Schwimmbad Welten aufeinander. Vor allem, wenn direkt daneben ein sozialer Brennpunkt liegt – wie im Waldschwimmbad in Offenbach. Aus der neuen FAZ.NET-Serie „Aufs Maul geschaut – Deutschland vor der Wahl“.

          3 Min.

          Offenbach trifft sich an diesem Morgen auf 25 mal 22,5 Metern. Im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe ist das 50-Meter-Becken kaputt: Die Plane, die bei schlechtem Wetter über das Wasser gefahren wird, hat sich verkeilt. Leistungsschwimmer, Rentner, Kinder und aufgedrehte Jugendliche quetschen sich deswegen in das kleine Nebenbecken. Über die Schwimmer rast ein Flugzeug hinweg, in der Ferne ragt die EZB in die Höhe, deutlich näher sind die Hochhäuser von Lauterborn, einem der sozialen Brennpunkte der Stadt. Fast 70 Prozent der Menschen haben dort einen Migrationshintergrund.

          Die Plane, die bei schlechtem Wetter über das Wasser gefahren wird, hat sich verkeilt. Bademeister Andreas Schwab beobachtet die Reparaturarbeiten.
          Die Plane, die bei schlechtem Wetter über das Wasser gefahren wird, hat sich verkeilt. Bademeister Andreas Schwab beobachtet die Reparaturarbeiten. : Bild: Maria Klenner
          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Waltraud Schabel ist 81 Jahre alt und will gerade ins Wasser. Was ihr in dem Bad gefällt? „Hier herrscht Ordnung“, sagt sie. „Draußen schmeißen die Jugendlichen ihren Müll auf die Straße, und wenn man was sagt, hat man ein Messer im Rücken.“ Eine andere Seniorin ruft aus dem Wasser: „Die Überfremdung ist zu groß, das kann man ruhig so sagen.“ Wen Schabel bei der Bundestagswahl im September wählen will? „Ach, es sind doch eh alle korrupt.“ Das habe man am jüngsten Skandal in der Automobilbranche gesehen. „Alle wussten Bescheid, aber keiner hat was gewusst.“

          „Geht mal lieber dahin, wo ihr herkommt“

          Schabel gleitet vorsichtig ins Wasser, am Beckenrand diskutiert Rita Bachinger mit den Bademeistern. Sie ist Leiterin der Schwimmschule und hätte gerne, dass eine Bahn in dem 50-Meter-Becken für den Seepferdchen-Kurs geöffnet wird - die kaputte Plane verdecke schließlich nur das halbe Becken. Der Bademeister bleibt hart: „Es gibt keine Ausnahmen.“ Bachinger seufzt.

          Für unsere FAZ.NET-Serie haben wir uns in der Republik umgehört – wie geht es den Menschen in der Uckermark, in Oberbayern oder in Düren? Klicken Sie auf die Karte, um zu erfahren, was die Deutschen vor der Bundestagswahl bewegt.

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          Grafik: F.A.Z. Multimedia
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          Grafik: F.A.Z. Multimedia




          Sie hofft, dass das große Becken wenigstens am Nachmittag wieder frei ist, dann kommt eine Gruppe von Flüchtlingen. „Die letzte Gruppe war sehr motiviert und nett, am Ende hatten alle den Freischwimmer.“ Weniger nett seien manche Deutsche gewesen, die vom Beckenrand gerufen hätten: „Geht mal lieber dahin, wo ihr herkommt, und baut euer Land wieder auf.“ Sie selbst stört bei manchen Flüchtlingen nur die Kleidung: „Ein Mädchen ist mit Burkini vom Startblock gesprungen, dann hat sich der Anzug um ihr Gesicht gewickelt.“

          „Bundes... was?“

          Den beiden Jungs, die in Badehosen am Becken ankommen, kann das nicht passieren. Laarbi ist 13 Jahre alt und hat dunkle Haut, sein Kumpel hat leuchtend blaue Augen. Ob sie manchmal Ärger mit den älteren Leuten hier haben? „Die beschweren sich, wenn wir vom Beckenrand springen“, sagt der Junge mit den blauen Augen. „Die Bademeister wollen uns dann rausschmeißen. Aber ich verstecke mich einfach im Becken.“ Warum? „Ich mag es, Leute zu nerven.“ Ob ihn selbst in Deutschland etwas nerve, was sich durch die Bundestagswahl vielleicht ändern könne? „Bundes... was?“, fragt er. „Mich nervt nur das Wetter.“

          Köpfchen unter Wasser? Dafür ist zu viel los im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe.
          Köpfchen unter Wasser? Dafür ist zu viel los im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe. : Bild: Maria Klenner

          Dann ringen die Jungs am Beckenrand miteinander, Laarbi landet im Wasser - direkt neben dem Kopf einer Seniorin. Große Empörung, Kopfschütteln, „Schlechte Erziehung“-Rufe - Bademeister Andreas Schwab verfolgt die Szene grinsend vom Beckenrand. „Da ist wohl die Dauerwelle nass geworden“, sagt er. Schwab ist Schlimmeres gewohnt. „An den richtig heißen Tagen haben wir hier 3000 Leute“, sagt er. „Bei über 30 Grad kommt auch die Prominenz.“ Die Prominenz? „Die Jungs aus den Problemvierteln.“ Kürzlich habe es mitten im Becken mal wieder eine Schlägerei gegeben, „Marokkaner gegen Deutsche, glaube ich“.

          „Am Ende wird es ja eh wieder die Merkel“

          Seit drei Jahren muss Schwab „die Prominenz“ nicht mehr selbst aus dem Bad schmeißen, für die heißen Tage bestellt sein Chef Matthias Wörner einen Sicherheitsdienst. „Unsere Bademeister wurden oft von 20 Leuten umzingelt“, sagt Wörner. „Es gab Messerstechereien, Massenschlägereien, unsere Kassiererin wurde mit Pfefferspray attackiert.“ Jetzt werde es an den heißen Tagen schon in der Warteschlange „dunkel“. Dunkel? „Die Russen vom Sicherheitsdienst sind so breit, da kommt kein Licht vorbei.“ Aber wer Krawall machen will, findet trotzdem einen Weg. „Nachts sind die Wachmänner letztens mit Steinen beworfen worden“, sagt Wörner.

          Wie man tagsüber als Bademeister mit den Aggressionen umgeht? Andreas Schwab sagt: „Gleich am Eingang Smalltalk mit einem der Älteren. Auf die hören die Jüngeren.“ Der Bademeister ist in Offenbach aufgewachsen, er ist Wasserball-Trainer. Wen er im September wählen wird? „Schwierig. Am Ende wird es ja eh wieder die Merkel.“ Das sei immer noch besser als Trump, findet er. „Dem würde ich gerne mal ein paar Wasserball-Tricks zeigen – bis zur Schnappatmung.“ Dann blickt er nachdenklich auf die dunklen Wolken, die über die Hochhäuser von Lauterborn in Richtung Schwimmbad ziehen. „Vielleicht müssen die Leute gleich raus.“ Als Bademeister bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wann es kracht.

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