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Der Wahlkampf der FDP : Da glimmt das Hölzchen

Brüderle, Rösler und insbesondere Generalsekretär Döring wissen natürlich, dass sich solche Wunder nicht durch einen anstrengungslosen Wahlkampf wiederholen. Aber sie nutzen diese Erfahrungen, um die schlechten Umfragewerte der FDP wegzureden. Dabei hat sich seit dem Ende des Führungsstreits in der FDP nichts bewegt. Ein Brüderle-Effekt der Mobilisierung der etwas konservativeren, älteren, kleingeschäftlich engagierten Liberalen ist nicht eingetreten. Unter den zahlreichen FDP-Pressereferenten wird derweil ein Gerangel um die mediale Vorherrschaft ausgetragen. Die Kabinettsmitglieder sind im Bundestagswahlkampf ausgeschaltet, schlecht beleuchtet oder in Einzelkämpfen verstrickt: Zwei von fünf FDP-Ministern, Daniel Bahr und Dirk Niebel, wurden beim Berliner Bundesparteitag politisch abgemeiert. Als Spitzenkandidat in Baden-Württemberg hat Niebel die Landesvorsitzende Homburger mehr als Gegnerin denn als Verbündete. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger konzentriert sich bis zum 15. September ganz auf den Landtagswahlkampf in Bayern.

Großveranstaltungen erst im September

Ein Problem scheint zu sein, dass sich nach dem Ende der turbulenten und intriganten Führungskrise die Medien kaum noch für die FDP interessieren. Ein Gradmesser dafür sind die Hintergrundgespräche, die Brüderle in Sitzungswochen des Bundestags abhält. Zum Jahreswechsel mussten Journalisten dabei in zweiter oder dritter Reihe auf Stapelstühlchen Platz nehmen, vorige Woche bekam sogar noch bequem einen Platz am großen Ovaltisch, wer zu spät kam. Brüderle hat aus Furcht vor missverständlichen Deutungen den jeweils interessantesten Teil seiner Worte als „vertraulich“ klassifiziert. Das wirkt übervorsichtig, aber die FDP erlebt oft, dass der publizistische Umgang mit ihr Mindeststandards nicht kennt. Das konnte Brüderle am eigenen Leib nach seinem unglücklichen Sturz wieder erleben. Insbesondere im Internet wurde er mit Spott und Häme bedacht.

So verlegt sich Brüderle auf politische Kleinformate, Wirtschafts-Stammtische, Handwerkertreffen, Firmenbesuche, Zeitungsinterviews. Er selbst beschreibt das als Teil einer Strategie des geringstmöglichen Anfangsverschleißes vor Beginn des heißen Wahlkampfs. In der Parteizentrale gibt es dazu einen blau-gelben Zeitstrahl, auf dem die anwachsende und am Ende fast pausenlose Präsenz des Spitzenmannes dargestellt wird. So werden ab Anfang August erst in Bayern Großflächenplakate geklebt, dann folgen eine Woche später Hessen und der Rest des Landes. Erst ab dem 5. September beginnt eine Reihe von „Großveranstaltungen“. Der Wahlkampf werde großartig, hatte Brüderle bei seiner Nominierung versprochen und ausgerufen: „Da brennt der Baum.“ Bis jetzt glimmt bei der FDP nur das eine oder andere Hölzchen.

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