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Die CSU im Wahlkampf : Der schwarze Alois und die AfD

„Die Leute wollen das geregelt haben“, erklärt auch der zweite Bürgermeister  Ambergs. Die kreisfreie Stadt ist die vierte Station auf Alois Karls Wahlkampftour. Mit „das“ meint CSU-Mann Martin Preuß die Zuwanderung, den Umgang des Rechtsstaates mit den Migranten – wie viele dürfen unter welchen Bedingungen rein, wie viel kostet das. Preuß hat sich zusammen mit einem Dutzend Vertretern der CSU-Ortsverbände und der Frauenunion auf einer Brücke über der Vils positioniert. Zum Wahlkampfstand gehören auch eine Foto-Box, ein Glücksrad und ein Kaffeeautomat. Die CSU hat Geld für den Wahlkampf.

Selbst ein Fass würde gewählt

Gibt die AfD beim Thema Flüchtlingen den Takt vor? Nein, heißt es am Stand. Neben dem zweiten Bürgermeister Preuß lobt auch Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny die Leistungen Bayerns in der Flüchtlingskrise. Zwischen der hartnäckigen CSU-Forderung nach einer Obergrenze und dem C im Parteinamen sehen die beiden keinen Widerspruch – und ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber der AfD. Die hätte den christlichen Gedanken ja gar nicht, die wolle niemandem in Deutschland Schutz gewähren.

Doch das Schreckgespenst AfD geht auch in Amberg um. Am Vormittag habe ein „AfDler oder Reichsbürger“ die Wahlkampfhelfer in ein Gespräch verwickelt, berichtet eine Vertreterin der Frauenunion. „Und dann hat er heftig gegen Merkel gewettert. Das war schon unschön.“ Es sei das erste Mal in drei Wochen Wahlkampf gewesen, dass sie jemand so angegangen habe.

Doch die meisten Passanten, die an dem Stand in der Amberger Innenstadt vorbeikommen, sind freundlich – und eher an den kleinen Wahlkampfgeschenkchen interessiert als an politischen Diskussionen. Auch von Bundestagsmitglied Alois Karl nehmen sie kaum Notiz.

FDP-Direktkandidat Moritz Pöllath am Wahlkampfstand in Amberg

Karl sei auch nicht besonders beliebt, heißt es am Nachbarstand. Dort wirbt FDP-Direktkandidat Moritz Pöllath um Stimmen. „Die CSU könnte auch ein Fass aufstellen und es würde gewählt.“ Was nach dem normalen Frust eines unterlegenen Konkurrenten klingt, hat einen wahren Kern: Die strukturelle Macht der CSU ist in Bayern nicht zu brechen, bisher zumindest. Ihre Vertreter sitzen in den Gemeinde- und Stadträten, sie sind in Vereinen, Verbänden und Pfarreien vertreten. Die CSU hat sich in Bayern über Jahrzehnte in der Fläche festgesetzt.

Der Opa soll nicht gewählt werden

„Wenn die FPD im Wahlkreis Plakate aufhängt, dann machen das wir vier, wie wir hier stehen“, sagt Pöllathn und deutet auf seine drei jungen Wahlkampfhelfer. „Die CSU setzt 20 Leute von der Jungen Union mit einem Kasten Bier auf einen Traktor und dann erledigen die das. Und danach gibt es eine Party.“ Das hätte er auch gerne, gesteht der FDP-Kandidat.

Dass in Bayern jeder CSU-Kandidat gewählt wird, das will Alois Karl nicht so stehen lassen. „Der Wähler ist durchaus schlauer“, sagt er, während er seinen Audi wieder Richtung Neumarkt steuert, zum nächsten Termin. Er verweist auf die Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt. Nachdem er 2005 nach fünfzehn Jahren aus dem Neumarkter Rathaus in die Bundespolitik gewechselt sei, habe die CSU den Bürgermeisterposten verloren – zum ersten Mal seit 60 Jahren, an einen Kandidaten der Freien Wähler.

Dass er selbst der richtige Kandidat für den Bundestag ist, daran scheint Karl nicht zu zweifeln – im Gegensatz zu seinem Enkel. Der Erstklässler ruft Karl während dessen Wahlkampftour auf dem Handy an. Und erklärt, es könne doch auch sein, dass der Opa nicht gewählt werde. Dann hätte er auch mehr Zeit zum Spielen. „Du musst doch dem Opa Glück wünschen“, sagt Karl gespielt empört zu seinem Enkel. „Und auch der CSU“, hätte er noch hinzufügen können.

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