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Die CSU im Wahlkampf : Der schwarze Alois und die AfD

Die AfD wird allen Parteien stimmen wegnehmen, glaubt Gilch. Als die CSU in Bayern noch Ergebnisse von über 50 Prozent einfuhr, konnte sie es sich leisten, ein paar Prozentpunkte zu verlieren. Beim momentanen Stand könnten die aber ausreichen, um den Thron der CSU zum Wackeln zu bringen. Und die bislang so klaren politischen Verhältnisse durcheinanderzuwirbeln, vor allem bei der Landtagswahl 2018. Dass rechts neben der CSU wieder Platz ist für eine andere Partei, findet Gilch aber nicht so schlimm. „Diese Leute wollen wir gar nicht haben“, sagt er, bevor er sich von Karl verabschiedet.

Der fährt weiter nach Schnaittenbach. Dort hat sich der CSU-Ortsverband neben einen kleinen Lebensmittelladen postiert. Es gibt Bier, in Bayern immer noch ein beliebtes Wahlkampfinstrument. Der Listenkandidat ist da, der Quetsch’n-Leo spielt mit seinem Akkordeon auf. Karl schüttelt Hände, verteilt Broschüren, lässt sich fotografieren.

„Bei uns ist alles herausgeputzt“

Wir, nur wir sorgen dafür, dass es Euch Bayern gut geht, das ist die Botschaft, die die CSU seit Jahrzehnten aussendet. In der Oberpfalz hat sie dieses Versprechen in den vergangenen Jahren eingelöst. Die Region, früher einmal arm und vor allem von der Landwirtschaft geprägt, hat den Strukturwandel geschafft, vor allem im Süden. Dienstleistungsunternehmen haben sich angesiedelt, viele sind im Kleinen Marktführer.

Wahlkampf im Lebensmittelladen: Alois Karl (CSU) unterwegs in Schnaittenbach

„Bei uns ist alles herausgeputzt“, sagt Karl stolz und zeigt auf die Hauptstraße der kleinen Stadt. Er habe sich auch in Berlin immer für die Strukturförderung im ländlichen Raum eingesetzt, erklärt er. Und die habe hier, in der Oberpfalz, Wirkung gezeigt. Auch auf die Verkehrsprojekte, die er in seinen Wahlkreis geholt hat, weist Karl stolz hin, als er über die gut ausgebaute Bundesstraße Richtung Amberg fährt. Sein Wahlkreis sei der einzige gewesen, der von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt gleich mit zwei Bauvorhaben bedacht worden sei.

Der Erfolg, auch eines der Geheimnisse der CSU. Sie betont gerne, dass Bayern die wirtschaftlich erfolgreichste Region der EU ist – und dass die weitere positive Entwicklung des Bundeslandes nur mit ihr als Regierungspartei gelingen kann. Diese Erzählung hat die CSU perfektioniert, genauso wie die Verknüpfung von bayerischer Identität und Partei: Mia san mia, aber nur mit der CSU.

Besonders volkstümlich tritt Karl an diesem Samstag allerdings nicht auf. Kein Lodenjanker, kein breiter Oberpfälzer Dialekt, keine Obergrenze-Parolen. Überhaupt scheint Karl, der bisher im wichtigen Haushaltsausschuss des Bundestages saß, eine vernünftige Finanz- und Wirtschaftspolitik wichtiger zu sein als eine harte Linie bei den Flüchtlingen. Nach einer guten halben Stunde CSU-Selbstvergewisserung am Wahlkampfstand dankt Karl seinen Schnaittenbacher Helfern und steigt wieder in seinen Audi.

Für den Wahlkampf ist Geld da

Der Marktplatz von Hirschau ist schmuck, aber verlassen. Im Nieselregen stehen die Vertreter des CSU-Ortsverbandes unter einem Pavillon und warten fast vergeblich auf Interessierte, denen sie Alois-Karl-Fußbälle oder -Kaffeebecher überreichen können. Fürchtet man hier die AfD? „Das klingt jetzt hart und ist auch nicht gegen die Flüchtlinge selbst gerichtet. Aber sie haben die Stimmung kaputt gemacht, zugunsten der AfD“, sagt ein Mitglied der CSU-Fraktion.

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