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Cem Özdemir im Porträt : Für den Marktplatz geboren

Naturverbunden: Cem Özdemir Bild: dpa

Als Landwirtschaftsminister war der grüne Oberrealo Özdemir nicht gesetzt. Doch der anatolische Schwabe hat sich durchgesetzt. Er füllt Zelte und Marktplätze. Ein Porträt.

          2 Min.

          Nun also doch: Cem Özdemir wird Minister im künftigen Bundeskabinett. Neben dem Parteivorsitzenden Habeck ist er der einzige Mann, den die Grünen ganz nach vorne stellen. Özdemir rhetorisches Talent, seine Strahlkraft in andere Milieus bestreiten auch seine schärfsten Kritiker nicht. Er hat es vielfach unter Beweis gestellt: Özdemir füllt Zelte und Marktplätze, ihn laden die Talkmaster ein, ihm gelang es, seinen Stuttgarter Wahlkreis direkt zu gewinnen und Erstimmenkönig in Baden-Württemberg zu werden.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Für das erklärte Ziel seiner Partei, aus der Öko-Nische rauszukommen, könnte es eigentlich keinen besseren geben als ihn – was nicht heißt, dass der Vegetarier Özdemir, der ständig mit dem Rad unterwegs ist, sich nicht selbst als Öko versteht. Doch so gut der Sozialpädagoge außerhalb der grünen Blase ankommt, so schwer tun sich manche in der Partei mit ihm.

           Heftiger Gegenwind

          In den vergangenen Tagen hatten Teile des linken Flügels heftig gegen den Plan der beiden Parteivorsitzenden aufbegehrt, Özdemir ins Kabinett zu holen. Es ging dabei auch um Flügelproporz, Frauenquote und die Verlustängste der Konkurrenten. Erst am späten Donnerstagabend war der Machtkampf entschieden, der Beginn der Urabstimmung über den Koalitionsvertrag musste um einen Tag verschoben werden, die grüne Partei lieferte ein desaströses Bild ab.

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          Der Oberrealo, 1965 in Bad Urach geboren, war fast zehn Jahre Vorsitzender der Grünen, doch es blieb stets eine gewisse Distanz, manche empfinden ihn als arrogant. Özdemir hat auf grüne Befindlichkeiten nicht immer Rücksicht genommen. Der Satz, dass man „mit der Yogamatte unterm Arm“ nicht gegen Islamisten kämpfen könne, nehmen ihm manche bis heute übel. Als er vor zwei Jahren um den Fraktionsvorsitz kämpfte, erinnerten sogenannte Parteifreunden plötzlich an alte Verfehlungen, etwa seine Bonusmeilen.

          Özdemir verlor die Abstimmung und blieb Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich zu höherem berufen fühlt. Landwirtschaftsminister war nicht sein Traumressort, aber es wäre überraschend, wenn es Özdemir nicht gelingen sollte, das Haus ins Scheinwerferlicht zu rücken. Schon ist aus seinem Umfeld eine neue Deutung des Ressorts zu hören: Landwirtschaft sei letztlich Wirtschaft und ländlicher Raum.

          Ohne den „anatolischen Schwaben“ wären die Grünen dem eigenen Anspruch an Vielfalt nicht gerecht geworden. Was sich nun als Ass erwies hat auch eine andere Seite: Der Sohn eines türkisches Gastarbeiters lebt mit Polizeischutz, weil er permanent von Rechtsextremen bedroht wird – wegen seiner klaren Worte an die Regierung in Ankara aber auch von türkischen Nationalisten.

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