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CDU-Generalsekretär Tauber : War nicht so gemeint

Die Kanzlerin und ihr General: Merkel und Tauber auf einer Wahlkampfveranstaltung in Taubers Heimatort Gelnhausen Bild: Rainer Wohlfahrt

Peter Tauber steht als Generalsekretär für die moderne, freundliche CDU. Immer wieder wird er missverstanden, es gibt Ärger – wenn er etwa gegen Minijobber pöbelt. Wieso?

          Wenn es in der „Union“, so heißt das Mitgliedermagazin der CDU, eine Stellenanzeige für einen Generalsekretär gäbe, dann würde die womöglich so klingen: „Gesucht wird ein belastbarer, aber auch beweglicher Charakter, der die Parteibasis mit Vorschlägen und Aktionen bei Laune hält und gegen den politischen Gegner austeilt. Loyalität wird vorausgesetzt.“ Peter Tauber, der aktuelle Generalsekretär der CDU, hätte sich wohl nie auf so eine Stellenanzeige beworben. Er fiel fast vom Stuhl, als ihm Angela Merkel nach der Bundestagswahl vor vier Jahren das Amt antrug. Obwohl er loyal ist, Twitter gut kennt und sogar noch – für CDU-Verhältnisse – mit 42 Jahren relativ jung ist. Tauber spricht seither viel über Demut und wie viel er habe lernen müssen. Und er sagt: „Ich bin ja ein Landei.“ Als gehöre er nicht nach Berlin. Es klingt ein bisschen kokett – schaut her, der Generalsekretär ist ganz bodenständig. Aber es klingt auch ein bisschen entschuldigend. Tauber hat sich während seiner Amtszeit schon mehrere Male entschuldigt. Das stünde nie in der Stellenanzeige für einen Generalsekretär: „Muss sich gut entschuldigen können.“

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Gerade ist es wieder passiert: Tauber steht an Gleis 3, Bahnhof Köln-Longerich. Ein Dienstagmorgen in den Sommerferien. Keiner da. Doch, dahinten, eine junge Frau mit dunklem Teint – ist sie schon 18, ist sie Deutsche, darf sie überhaupt wählen? Für diese Überlegungen hat Tauber keine Zeit. Er schießt los und gibt der jungen Frau eine Tüte mit einem Schokobrötchen darin. Auf der Tüte klebt ein Bild von Gisela Manderla, der Bundestagskandidatin in diesem Wahlkreis. Die junge Frau bedankt sich, schaut auf das Bild auf der Tüte, dann zu Tauber. Nochmal Tüte, Tauber. „Ein kleines Frühstück von der CDU“, sagt Tauber und lächelt. Als Tauber wieder vor dem Bahnhof steht, bei den anderen Wahlhelfern, sagt er: „Ein Großteil der Leute kennt mich hier ja gar nicht.“ Ist das nun kokett oder entschuldigend?

          Tauber, der junge, hippe, frische Mann der CDU

          Als Tauber vor knapp vier Jahren ins Amt kam, wollte er erst einmal die Partei besser kennenlernen und bereiste die Basis. Keiner kannte ihn, das stimmte schon. Zumindest über Gelnhausen hinaus, einer hessischen Stadt mit gut 22 000 Einwohnern, Fachwerk, Kopfsteinpflaster. Gut nachvollziehbar, wenn man aus dieser Enge als junger Mensch mal raus will. Aber Tauber wollte nicht. Er studierte im nahen Frankfurt Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft. Und mit 26 Jahren trat er gegen den langjährigen Bürgermeister der SPD in Wächtersbach, noch so einem hessischen Nest, an. Er lief nicht der Enge davon, er wollte sie von ihrem Kern aus verändern. Tauber kann heute noch sein Ergebnis der Bürgermeisterwahl mit Nachkommastelle sagen: 36,9 Prozent. Auf die Frage, ob er sich im Zweifelsfall für Gelnhausen oder Berlin entscheiden würde, sagt er: Gelnhausen. Die Antwort kommt schnell. Vielleicht ein bisschen zu schnell.

          Zu einem seiner ersten Interviews als Generalsekretär trug Tauber einen Kapuzenpulli. Ein Symbolbild für: Tauber, der junge, hippe, frische Mann der CDU. Tauber gab zu Beginn die Parole aus, die CDU solle „jünger, bunter, weiblicher“ werden. Das fanden viele gut. Aber welches Konzept einer konservativen Volkspartei steckt für Tauber dahinter? Das ist vielen auch nach vier Jahren noch nicht klar. Und mit so einem Symbolbild reformiert man keine Partei. Für den Posten des Generalsekretärs gilt: Das Amt überstrahlt die Person, die es bekleidet. Farbig sind die meisten Generalsekretäre erst später geworden – als Minister, Staatssekretär. Jetzt ist er das Bollwerk. Tauber musste das einsehen. Inzwischen gibt er Interviews wieder in Anzug und mit Krawatte.

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