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CDU-Generalsekretär Tauber : War nicht so gemeint

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Tauber wurde Generalsekretär, weil er Hesse ist und die bei den Koalitionsverhandlungen zu kurz gekommen waren. Und weil er jung und konservativ ist. Beim Parteitag 2016 hatte er als Einziger auf der Präsidiumsbank beim Singen der Nationalhymne die Hand am Herzen. Seine Hand saß etwas tief, es sah aus, als fühlte er, ob sein Handy im Jackett vibrierte.

Es ist eine kleine Ironie der Geschichte, dass Tauber auch wegen seiner Twitterei, wegen seines offenen Umgangs mit den sozialen Netzwerken Generalsekretär der CDU wurde.

Twitter: Minijob-Post und fedidwgugl

Tauber hatte sich mal wieder entschuldigt. Auf den Hinweis, dass Vollbeschäftigung doch besser sei als Gerechtigkeit, fragte ein Nutzer: „Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?“ Tauber antwortete: „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ Das klang wieder nach Honoratiorenpartei, nach erhobenem Zeigefinger, so gar nicht nach der Kapuzenpulli-CDU. Tauber schrieb den Tweet abends. Er wusste, der nächste Tag würde nur zur Hälfte mit Terminen gefüllt sein, danach würde er ein paar Tage frei haben. Er entspannte etwas. Und schlug dann zu. Reißt er sich, wenn er im Korsett des Generalsekretärs gebunden ist, zusammen? Oder überlegte er in einer ruhigen Minute, wie er Kante zeigen könnte? Im Internet brach ein Shitstorm los.

Tauber schrieb kurz darauf auf Facebook: „Wer drei Minijobs braucht, um über die Runden zu kommen, der hat es nicht leicht. Und ich wollte niemandem zu nahe treten, der in so einer Situation ist. Es tut mir leid, dass ich mein eigentliches Argument ... so blöd formuliert und damit manche verletzt habe.“ Er sei beim Schreiben des Tweets unkonzentriert und dünnhäutig gewesen, sagt Tauber. Die Entschuldigung sei ihm nicht schwergefallen. Ist das wankelmütig oder einsichtig? „Egal, er produziert zu oft schlechte Schlagzeilen“, sagt einer aus seinem Umfeld. Als er den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner mit Alexander Gauland von der AfD verglich. Oder in seinem Wahlkreis ein Papier auftauchte, das zum Mobbing einer Mitarbeiterin aufforderte und unklar blieb, ob Tauber nur davon wusste oder es auch unterstützte. Schlechte Schlagzeilen.

Die werden seine Chancen, weiter Karriere zu machen, nicht geschmälert haben. Die CDU ist mit den meisten ihrer Generalsekretäre gut umgegangen, zumal, wenn die Wahlergebnisse stimmen. Hermann Gröhe, Taubers Vorgänger, ist derzeit Gesundheitsminister. Ronald Pofalla war Kanzleramtschef. Und so weiter. Tauber ist ehrgeizig. Er könnte nach der Wahl im September zum Beispiel Staatsminister im Bundeskanzleramt werden. Vorausgesetzt, Merkel bleibt Kanzlerin. Dazu muss auch Tauber seinen Job gut machen.

Tauber macht Wahlkampf Spaß. „Als General muss man auch an die Front“, sagt er. Dabei passen für diesen Wahlkampf keine Kriegsmetaphern, denn es gibt ja gar keinen Krieg, noch nicht einmal eine Schlacht. Merkel weiß es zu verhindern. Tauber auch. Die Kampagne läuft unter der Überschrift: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Tauber hat daraus einen Hashtag gebastelt: #fedidwgugl. Es gibt ein Video, in dem er erklärt, wie man das ausspricht. Der Hashtag steht auf dem Kampagnenbus, mit dem Tauber herumfährt. Er hat die Partei zugänglicher gemacht, hat die Kanten abgeschliffen, sie auch etwas unpolitischer gemacht. Ein Hashtag eben. Tauber und sein Team waren richtig stolz, als „#fedidwgugl“ in den Twitter-Top-Ten war. Manche mögen das unseriös finden. Tauber fand es gut.

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