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CDU-Generalsekretär Tauber : War nicht so gemeint

An diesem Sommerferientag hat er sich für ein kariertes Hemd entschieden, den Pullover um die Schultern gelegt. Tauber besucht knapp 50 Wahlkreise innerhalb von zwei Wochen. Er kommt auch in für die CDU schwierige Gegenden. Morgens um sieben Uhr geht es los, er verteilt Schokobrötchen mit Bundestagskandidaten. Dazwischen Telefonate nach Berlin. Während der Flüchtlingskrise war auch das Konrad-Adenauer-Haus in einer Ausnahmesituation. Die Regierungspolitik, die Chefin mussten verteidigt werden. Tauber tat es. Jetzt ist Wahlkampf. Zwei Jahre ununterbrochen Ausnahmezustand. Abends sitzt Tauber auf seiner Wahlkreistour manchmal noch mit der örtlichen Jungen Union zusammen. Tauber hat eine gute Kondition, er ist Langstreckenläufer.

Nicht überall kommt Taubers Art gut an

Helmut Nowak ist 76. Er steht in einem dunklen Anzug auf dem großen Vorplatz des Bahnhofs Köln-Mülheim und verteilt Croissants. Tauber will mit ihm reden, er will ihn doch noch vom Haustürwahlkampf überzeugen. Tauber hat dieser altbekannten Wahlkampfmethode neuen Glanz gegeben. In den Landtagswahlkämpfen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen trug sie zum Erfolg der CDU bei. Kandidaten und Unterstützer ziehen von Tür zu Tür, in Gegenden, in denen sie potentielle CDU-Wähler vermuten. Mobilisierung, technisch unterstützt von einer eigens entwickelten App.

Taubers Leute haben in den vergangenen Monaten Tausende Helfer für den Tür-zu-Tür-Wahlkampf geschult. Helmut Nowak hält nicht viel davon. Hier, in Mülheim, erinnert die CDU noch an eine Honoratiorenpartei. Auf den Plakaten trägt Nowak Krawatte, daneben steht: „Zuwanderung steuern.“ Tauber redet mit ihm, er ist einen Kopf größer als Nowak. Zurück im Auto, gesteht Tauber ein, er habe ihn nicht überzeugt können. Er ärgert sich ein bisschen. Tauber ist derzeit so etwas wie ein Vertreter, der von Tür zu Tür geht und unermüdlich für Angela Merkel wirbt. Er tut das auf eine freundliche und smarte Art. Viele seiner Mitarbeiter, vor allem jene, mit denen er derzeit tagelang unterwegs ist, duzt er. Mit ihnen teilt er die Leidenschaft für Baklava. Um seinen Morgenkaffee kümmert er sich selbst. Er sagt bitte und danke. Und er spricht dabei so leise, dass man sich gut vorstellen kann, wie er laut klingt.

Dass Peter Altmaier von der Kanzlerin höchstpersönlich beauftragt wurde, das Wahlprogramm der CDU auszuarbeiten, er, wie die „Bild“-Zeitung schrieb, „enteiert“ wurde, muss ihn geärgert haben. Tauber will die Geschichte anders erzählen. Demütiger. Er selbst habe Altmaier gebeten, ihm zu helfen. „Es gab sehr viel für die Kampagne vorzubereiten, und nebenbei ein Regierungsprogramm zu schreiben wäre nicht möglich gewesen.“ Altmaier habe ja eine ganz andere Autorität als er, Tauber. Das sind erstaunliche Sätze für einen Generalsekretär, dessen Aufgabe es ist, das Wahlprogramm auszuarbeiten, und dem ein anderer Mann, der das sozusagen ehrenamtlich macht, vor die Nase gesetzt wurde. Das einzige politische Projekt, mit dem Tauber in Verbindung gebracht werden konnte, war das eines Einwanderungsgesetzes. Schon lange vor der Flüchtlingskrise hatte er sich dafür eingesetzt. In der Partei kam es nicht gut an. Jetzt steht es im Wahlprogramm, heißt nur ein bisschen anders: Fachkräftezuwanderungsgesetz. Keiner verbindet es nun mehr mit Tauber. Ärgert er sich? „In der Sache bin ich froh“, sagt er. Aber er hat sich geärgert. Aus der Geschichte hat er mitgenommen, dass nicht nur das richtige Argument zählt, sondern auch der richtige Zeitpunkt. Wenn man Tauber fragt, was er nach vier Jahren als Generalsekretär gelernt habe, sagt er: „Timing.“

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