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Volksparteien im Leerlauf : Müde von großen Koalitionen

  • -Aktualisiert am

Der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit der damaligen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel bei der Vorstellung des Koalitionsvertrages im November 2005 Bild: AP

Unter der großen Koalition ist die Politik sehr sachlich geworden. Wer das nur gut findet, übersieht den Schaden.

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          Deutschland hat sich verändert, seitdem Union und SPD zusammen regieren, das werden wenige bestreiten. Der politische Betrieb ist sanfter geworden, weil die großen Volksparteien ihre Lager auf eine Zusammenarbeit verpflichtet haben und in dieser Zusammenarbeit die jeweils Pragmatischsten unter den Politikern einen natürlichen Vorteil hatten. Die Versachlichung erstreckt sich längst nicht nur auf Union und SPD, sondern auf alle Parteien mit Ausnahme der AfD.

          Wer das nur gut findet, verkennt die Probleme. Im Laufe der Jahre hat sich eine Spaltung im Land vollzogen, weil es in der pragmatischen Republik wenig Verständnis gibt für Leidenschaften. Die Volksparteien haben ihre Fähigkeit eingebüßt, solche Menschen einzubinden, die weniger klug und weise und diszipliniert auftreten, sondern nur eine Intuition haben. Erreicht werden vor allem jene, die rational entscheiden, also anhand wissenschaftlich überprüfbarer Erkenntnisse darüber streiten, welche Lösungen für reale Probleme möglich sind. In der Sache ist das gut, es rächt sich aber an anderer Stelle.

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