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CDU-Hochburg Fulda : Wahlkampf gegen das Phantom AfD

  • -Aktualisiert am

Prominenter Wahlkampfhelfer für Michael Brand (l.): Der CDU-Politiker Jens Spahn wirbt um Wähler in Fulda. Bild: Victor Hedwig

In der konservativen CDU-Hochburg Fulda ackert Michael Brand für seine Wiederwahl und wirbt mit Angela Merkel. Wie vor zwölf Jahren muss er sich einem politischen Gegner stellen, der ihm von rechts Wähler abjagt.

          Beim Gang durch die malerische Altstadt von Fulda wird der Mann mit dem Outdoor-Rucksack in den Deutschland-Farben alle paar Meter von Passanten freundlich bis überschwänglich begrüßt. Fast scheint es, als ob Michael Brand jeden der gut 60.000 Bewohner der osthessischen Bischofsstadt persönlich kennt. Brand nennt seine Wahlkampfstrategie, in Fußgängerzonen, Eisdielen und Innenstadtcafés die Menschen direkt anzusprechen, „Guerilla-Taktik“. Und nachmittags, wenn die Leute zum Feierabend daheim sind, startet Brand seine Haustürbesuche. „Ich wähle Sie und ich bete für Sie,“ sagt eine betagte Rentnerin, die im Gespräch mit Brand auf dem Marktplatz einen fotokopierten Zeitungsartikel aus ihrer Einkaufstasche hervorkramt und aufgeregt auf die Schlagzeile zeigt: „Ich habe Angst, dass das Bargeld abgeschafft wird. Dann wandere ich aus.“ Doch Brand kann die alte Frau beruhigen: „Das werden wir nicht zulassen.“

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Seit 2005 vertritt der 43 Jahre alte Politiker für die CDU den früheren Wahlkreis der legendären Konservativen-Ikone Alfred Dregger in Berlin – zuletzt mit einem Rekordergebnis von mehr als 58 Prozent der Erststimmen. „Das war ein Traumergebnis, ist aber nicht der Standard hier,“ stapelt Brand ziemlich tief. Der Standard für Brand und seine Partei sind hier, in der immer noch stark katholisch geprägten Region am Fuße der Rhön, seit Generationen Wahlergebnisse, wie sie die CSU in Bayern und die SPD zumindest bis vor wenigen Jahren im Ruhrpott holte. Nur diesmal könnte jener Standard von rund 50 Prozent für die CDU wie schon 2005 dank starker Konkurrenz am rechten Rand unterboten werden. Vor zwölf Jahren war Brands erste Wahl zum Bundestagsabgeordneten anders als 2009 und 2013 keinesfalls ein Selbstläufer, sondern ein politischer Kraftakt, den er nun wiederholen muss.

          Denn der damals 31 Jahre alte Pressesprecher der hessischen CDU trat gegen seinen früheren Parteifreund Martin Hohmann an, der als parteiloser Einzelbewerber sein Bundestagsmandat verteidigte. Jener Hohmann, der auf Betreiben der damaligen CDU-Oppositionsführerin Angela Merkel im November 2003 wegen einer berüchtigten Rede mit antisemitischer Grundierung erst aus der Fraktion und später aus der Partei ausgeschlossen wurde. In einer Ansprache zum Tag der deutschen Einheit hatte der Major der Reserve, Jurist und ehemalige Kriminaloberrat im Bundeskriminalamt vor CDU-Anhängern die nationalsozialistische Propaganda vom „jüdischen Bolschewismus“ aufgegriffen, um die Deutschen vom Begriff des „Tätervolks“ zu entlasten, weil „man Juden mit einiger Berechtigung“ ja ebenfalls als „Tätervolk bezeichnen“ könne. Schließlich hätten überdurchschnittlich viele Juden während der bolschewistischen Revolution in Russland Verbrechen begangen.   

          Zwei Jahre später gewann Brand das Bundestagsmandat mit 39,1 Prozent der Stimmen, während der in Fulda und im Landkreis durchaus beliebte Hohmann nur auf 21,5 Prozent und Platz drei kam. Scheinbar resigniert kündigte Hohmann nach der Niederlage seinen Rückzug aus der Politik an und verbreitete in einem Interview die Verschwörungstheorie mit antisemitischen Untertönen, dass „offensichtlich einflussreiche Juden dunkle Kapitel jüdischer Geschichte lieber im Dunkel belassen“ wollten.

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