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Union im Zwiespalt : Um die Kanzlerschaft kämpfen – oder kapitulieren?

Kämpfen oder kapitulieren? Die CDU ringt mit sich, wie sie mit dem Wahlergebnis umgehen soll. Bild: AFP

Das von der SPD bemühte „moralische Recht“, den Kanzler zu stellen, hat sie selbst nicht beachtet. Doch verfügt die Union noch über die nötige Kampfmoral?

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          Den Schröder hat Olaf Scholz am Sonntagabend nicht gemacht. Der bisher letzte sozialdemokratische Kanzler hatte 2005 seine damalige Herausforderin Merkel im Fernsehen derart herablassend behandelt, dass er sie nach einem schon damals als katastrophal empfundenen Wahlergebnis vor der Absetzung durch ihre Kritiker in der eigenen Partei bewahrte und ihr so den Weg zu ihrer langen Kanzlerschaft ebnete. Scholz beging diesen Fehler nicht. Er ließ der Union die Chance, selbst mit Laschet abzurechnen. Lautstarkes Auftrumpfen ist ohnehin nicht Scholzens Art. Dafür hat er in seiner Partei andere.

          Die leiten aus dem Vorsprung von 1,6 Prozentpunkten ab, die Union habe nicht das „moralische Recht“, den Bundeskanzler zu stellen. Das ist eine bemerkenswerte Position für eine Partei, deren Kanzler-Legende Willy Brandt 1969 „mehr Demokratie“ wagte, obwohl die SPD damals 3,4 Prozentpunkte hinter der Union lag. Helmut Schmidt, den Scholz sein Vorbild nennt, wurde zweimal zum Kanzler gewählt, obgleich die SPD in den vorausgegangenen Bundestagswahlen nur zweitstärkste Kraft geworden war. Schröder schließlich blieb 2002 allein deshalb im Amt, weil bei Gleichstand von Union und SPD die Grünen etwas besser abgeschnitten hatten als die FDP.

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