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Reaktionen auf Triell : Heftigere Diskussion, ähnliches Ergebnis

  • Aktualisiert am

Zuschauer es Triells am Sonntagabend im Studio in Berlin Bild: EPA

Gut elf Millionen Zuschauer verfolgten das zweite TV-Triell der Kanzlerkandidaten. Politiker der Oppositionsparteien bewerten es als „enttäuschend“ – ähnlich wie beim ersten Mal.

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          Im „Triell“ der drei aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten am Sonntagabend sind nach Ansicht des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil (SPD) wichtige Unterschiede vor allem beim Thema Rente deutlich geworden. Heil sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Wir haben das (Rentenniveau, die Red.) jetzt bis 2025 stabil gehalten. Wir wollen das bis 2040 schaffen.“ Das gehe nur, wenn viele Menschen in Arbeit seien, wenn es eine anständige Lohnentwicklung gebe und wenn man eine höhere Frauen-Erwerbsbeteiligung bekomme. Bei dieser „Sicherungslinie“ für das Rentenniveau habe sich Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet „weggeduckt“.

          Zur Kritik Laschets an Scholz wegen Durchsuchungen des Finanzministeriums im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen die Zoll-Spezialeinheit FIU sagte Heil, die CDU setze keine eigenen Inhalte mehr, sondern versuche nur, „mit Schmutz“ zu werfen. „Ich glaube, dass die Bürgerinnen und Bürger das nicht wollen. Sie wollen einen Kanzler, der es kann, der Nerven hat, der Kompetenz hat.“

          Lindner: „Ideen für die Wirtschaft fehlten“

          Für CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak war die Sache ebenfalls klar: „Wir haben heute einen überzeugenden Armin Laschet erlebt. Er war der einzige Kandidat im Kanzlerformat und insofern war es ein spannender und auch sehr guter Abend“, sagte Ziemiak der Deutschen Presse-Agentur im Anschluss an die Sendung. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder sagte, er rechne jetzt fest mit einem Stimmungswechsel zugunsten der Union. „Das war ein überzeugender Auftritt und klarer Punktsieg für Armin Laschet. Das ist eine Trendwende und gibt Rückenwind für den Schlussspurt“, sagte der bayerische Ministerpräsident der dpa in München. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte dagegen dem ZDF über den Kanzlerkandidaten Scholz: „Er hat gezeigt, dass er Kanzlerformat hat. Er hat gezeigt, dass er Ideen hat, wie wir das Land jetzt in schwierigen Zeiten voranbringen können.“

          Der Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sah die eigene Kandidatin vorn: „Annalena Baerbock hat so richtig gezeigt, dass sie für einen Aufbruch, für Erneuerung steht, die beiden anderen Herren für ein ,Weiter so'“, sagte Kellner der dpa nach der Sendung. Während Laschet und Scholz einander attackiert hätten, habe Baerbock konkrete Lösungen für Probleme in Deutschland aufgezeigt.

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          Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schrieb auf Twitter: „Beim Triell ging es um viel Geld, das verteilt werden soll. Unser Vorschlag kam nicht zur Sprache: Bildung. „Aber vor allem fehlten Ideen, wie wir unsere Wirtschaft nach der Krise stärken, um überhaupt die Mittel für Soziales und Ökologisches zu gewinnen.“ Auch der „Linken“-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch äußerte sich auf Twitter: „Triell war insgesamt enttäuschend. Gute Arbeit, Kinderarmut, Inflationsentwicklung, gleiche Lebensverhältnisse in Ost-West spielten keine Rolle.“ Zu Recht sei es aber zentral darum gegangen, ob seine Partei in eine Koalition einbezogen werden solle oder nicht.

          Die gleichzeitig in ARD und ZDF ausgestrahlte Diskussionsrunde sahen rund elf Millionen Fernsehzuschauer. Es dürfte angesichts des populären „Tatort“-Sendeplatzes das meistgesehene Spitzenkandidatenformat dieses Wahlkampfes bleiben. Im Ersten schalteten 7,36 Millionen ein (24,2 Prozent Marktanteil ab 20.15 Uhr), im Zweiten 3,51 Millionen (11,5 Prozent); auch Phoenix übertrug. Es war bereits das zweite Triell des Bundestagswahlkampfs 2021. Am 29. August hatten die Sendung bei RTL und ntv zusammen etwa 5,6 Millionen Zuschauer verfolgt. Ein drittes Triell ist am 19. September bei ProSieben, Sat.1 und Kabel eins geplant.

          Im Jahr 2017 hatten dem Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz 2017 insgesamt gut 16 Millionen Leute zugeschaut. 2013 verfolgten gut 17,5 Millionen Merkel und Steinbrück, 2009 gut 14 Millionen Merkel und Steinmeier. Mit etwa 21 Millionen Zuschauern hatte das Duell Schröder-Merkel am 4. September 2005 die bisher höchste Zuschauerzahl aller deutschen TV-Duelle.

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