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TV-Kritik: Bundestagswahl : Ein desillusionierender Fernsehabend

  • -Aktualisiert am

Armin Laschet sitzt im Studio für die „Elefantenrunde“ nach der Bundestagswahl. Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Zunächst waren die Demoskopen die einzigen Wahlsieger. Wer noch dazu gehören wird, das hängt von der Kooperationsbereitschaft der FDP und der Grünen ab. Sie bestimmen, wer Bundeskanzler wird. Armin Laschets Schwäche könnte seine Chance sein.

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          Dieser Wahltag begann für die Fernsehsender vielversprechend. Schließlich war es Armin Laschet (CDU) in Aachen gelungen, einen korrekt gefalteten Stimmzettel gewissermaßen auf links gedreht in die Wahlurne zu werfen. Das ermöglichte die Verifizierung seiner Stimmabgabe durch anwesende Medienvertreter. Dass es seine Ehefrau Susanne genauso praktizierte, war leider keine Entschuldigung, sondern warf nur weitere Fragen hinsichtlich des Motivs auf. Auf jeden Fall entdeckten die Kollegen der Bild-Zeitung die Aufhebung des Wahlgeheimnisses zuerst, womit deren Nachmittag in der Wahlberichterstattung gerettet war: Mussten sie doch wie alle anderen Kollegen die vielen Sendestunden bis zur Schließung der Wahllokale überbrücken.

          Hubert Aiwanger hoffte wohl auch auf die Medien, aber auf andere Weise. Der Vorsitzende der Freien Wähler twitterte am Nachmittag eine Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen mit dem Hinweis: „Die letzten Stimmen bitte jetzt auch noch an uns.“ Erschien das Zettelfalten des Ehepaar Laschet eher merkwürdig, so war Aiwangers Tweet offensichtlich rechtswidrig. Anschließend gelang es der Berliner Bürokratie dafür zu sorgen, dass sich die Medien bis 18 Uhr nicht langweilen mussten. In dem Dickicht aus Wahlen, einem Volksentscheid und einem Marathonlauf verhedderten sich diverse Wähler, was einen angesichts der bekannten Leistungsfähigkeit der Berliner Stadtverwaltung nicht wirklich überraschte.

          Umfragen trafen zu

          So hatten die Journalisten etwas zu tun, während Wähler außerhalb Berlins nach dem Gang in das Wahllokal das schöne Wetter wahrscheinlich für einen Ausflug nutzten. Die häufig geäußerte Hoffnung auf eine höhere Wahlbeteiligung sollte sich nicht bestätigen. Sie blieb auf dem Niveau der Bundestagswahl 2017.

          Endlich war es so weit: Die Wahllokale schlossen, außer natürlich in Berlin. Die Prognose auf Grundlage der Nachwahlbefragungen bestätigten weitgehend die Wahlumfrage der Demoskopen, was man immerhin erwähnen sollte. Schließlich werden sie ansonsten gerne gescholten, wenn sie einmal daneben liegen. Der Einfluss automatisierter Social-Media-Bots, vermeintlich omnipotenter PR-Agenturen aus London, der Russen und Chinesen oder von Fake News auf das Wahlergebnis spielten keine Rolle. Alles vergessen, selbst bei den ansonsten viel beschäftigten Faktenfindern. Vielmehr waren die Medien mit den Erklärungen der Parteien über das sich abzeichnende Wahlergebnis beschäftigt.

          Richtig zufrieden konnte nur die SPD sein, wenigstens am Anfang dieses langen Abends. Schließlich wurde sie als Juniorpartner einer großen Koalition zur stärksten Fraktion und hatte mit Olaf Scholz den einzigen zugkräftigen Kanzlerkandidaten anzubieten. In einer Nachwahlbefragung gaben 48 Prozent der SPD-Wähler an, ohne seine Kandidatur hätten sie nicht die Sozialdemokraten gewählt. Da mussten sich andere Parteien schon mehr Mühe geben, um ihren Ergebnissen einen Hoffnungsschimmer zu verleihen. So hielt Alice Weidel das Ergebnis der AfD trotz Stimmenverlusten wegen sogenannter „Sonderfaktoren“ für besser als vor vier Jahren. Der einmal als „Kanzlerkandidat der Herzen“ titulierte Markus Söder (CSU) nannte die „erfolgreiche Aufholjagd“ der vergangenen Tage, um dem Verlust von fast neun Prozent Stimmenanteilen etwas Positives abzugewinnen.

          Wieder Journalismus statt Aktivismus?

          Einen interessierte dafür „der Wahlkampf schon gar nicht mehr“, nämlich Robert Habeck (Grüne). Das war bei dem Wahlergebnis nachvollziehbar: Schließlich hatte eine desolate Kanzlerkandidatin in Verbindung mit einer grotesken Zuspitzung des Klimathemas eine historisch einzigartig gute Ausgangslage in ein Desaster verwandelt. Anders kann man das nicht nennen, wenn die Grünen mit einer Kanzlerkandidatur Führungsansprüche anmelden, um am Ende zehn Punkte hinter der Konkurrenz zu landen. An der fehlenden Unterstützung in vielen klassischen Medien für die Kandidatin „aus dem Völkerrecht“ lag es nicht, ist zu vermuten. Deren Einfluss auf die Meinungsbildung der Wähler ist ab heute als zu vernachlässigende Größe zu betrachten. Insofern könnten sie es jetzt wieder mit Journalismus statt mit Aktivismus versuchen.

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