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Wahlkreis in Südthüringen : „Eine schwere Niederlage“ für Hans-Georg Maaßen

  • -Aktualisiert am

Unterstützung von rechts: Hans-Georg Maaßen (Mitte) vergangene Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung mit dem Publizisten Thilo Sarrazin. Bild: dpa

Überraschend deutlich verliert Hans-Georg Maaßen den Kampf um das Direktmandat in Südthüringen gegen SPD-Kandidat Frank Ullrich. Die Strategie der CDU, mit ihm AfD-Wähler zurückzugewinnen, ist gescheitert.

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          Dafür, dass lange mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkreis 196 gerechnet wurde, ist das Ergebnis am Sonntagabend überraschend klar: Frank Ullrich, der frühere DDR-Biathlon-Olympiasieger und SPD-Kandidat, gewinnt mit großem Vorsprung das Direktmandat in Südthüringen gegen den früheren Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, der für die CDU angetreten war. Kurz nach 20.30 Uhr trat Maaßen, der in einem Hotel in Zella-Mehlis feiern wollte, an die Öffentlichkeit. „Es ist eine schwere Niederlage“, sagte Maaßen und gratulierte Ullrich. Nachfragen ließ er Teilnehmern zufolge nicht zu, sondern zog sich umgehend wieder mit seinen Getreuen zurück.  

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der deutliche Vorsprung Ullrichs hatte sich von Beginn der Auszählung an abgezeichnet. Am Ende lag Ullrich mit fast 34 Prozent mehr als zwölf Prozentpunkte vor Maaßen, der fast noch auf dem dritten Platz gelandet wäre. Am Ende lag Maaßen nur wenige Zehntel vor dem Kandidaten der AfD, Jürgen Treutler. Noch in der vergangenen Woche war spekuliert worden, ob die AfD mit einer Erststimmenkampagne zur Wahl Maaßens aufrufen würde, doch bis auf den Kreisverband Suhl hatte das die Partei nicht getan.

          Wahlkampf mit klassischen AfD-Themen

          Ullrich wiederum konnte wohl mit einigen Stimmen von Wählern der Grünen rechnen, die zu seiner Wahl aufgerufen hatten. Grünen-Kandidatin Stephanie Erben holte mit gut zwei Prozent allerdings auch nicht viel weniger als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren. Der Kandidat der Linken, Sandro Witt, der sich vehement gegen eine Leihstimmenkampagne für Ullrich gewehrt hatte, erreichte knapp neun Prozent, etwa halb so viel wie sein Vorgänger 2017.

          Mit Maaßens deutlicher Niederlage ist klar, dass die Strategie der Union, mit Kandidaten, die weit am rechten Rand der Partei stehen, AfD-Wähler zurückzugewinnen, gescheitert ist. Im Wahlkampf hatte Maaßen mit klassischen AfD-Themen wie Warnungen vor einer angeblichen Masseneinwanderung von Flüchtlingen, steigender Kriminalität und einem zusammenbrechenden Staat versucht, Stimmen zu gewinnen. „Wer Rot wählt, entscheidet sich für Masseneinwanderung, Bevormundung und Steuererhöhung!“, stand etwa auf seinen Großflächenplakaten, auf denen das CDU-Logo, sofern es überhaupt noch vorhanden, kaum zu erkennen war. 

          Mit dem Wahlergebnis wiederholt sich ein Effekt, der bereits bei der Landtagswahl in Sachsen vor zwei Jahren zu beobachten war. Von den vier CDU-Kandidaten, die im Wahlkampf auf Maaßens Unterstützung zurückgegriffen hatten, verloren damals drei ihr Direktmandat – an die AfD. Auch in Thüringen zeigt sich nun, dass die Leute keinem Kandidaten vertrauen, der im Unions-Gewand wie ein AfD-Bewerber auftritt, und im Zweifel lieber das Original wählen. Der Effekt ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass für die AfD ein bisher völlig unbekannter, pensionierter Ingenieur ins Rennen ging und aus dem Stand gut 34.000 Stimmen (rund 21 Prozent) holte.

          Klarer Gewinner: Ullrich (links) bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Maaßen
          Klarer Gewinner: Ullrich (links) bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Maaßen : Bild: dpa

          Deutliche Unterschiede gibt es im Wahlkreis 196 zwischen dem Erst- und Zweitstimmenergebnis. Während Frank Ullrich seine lokale Bekanntheit zugute gekommen sein dürfte und er den Wahlkreis für die SPD direkt gewinnen konnte, hat die AfD bei den Zweitstimmen die Nase mit 26,5 Prozent vorn. Die SPD holt mit gut 25 Prozent Platz 2, die CDU spielt mit gerade einmal noch 16 Prozent keine Rolle mehr in dem Wahlkreis, den sie bei den vergangenen beiden Bundestagswahlen klar direkt gewonnen hatte.

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